Lebensgeschichten und ihre Bedeutung in der Altenpflege
Die wahrgenommene und erinnerte Lebensgeschichte ist Gegenstand der sozialen Biografieforschung. Im Mittelpunkt des akademischen Faches standen in den letzten Jahren vor allem Fragen nach der Sinngebung als eine Leistung des Menschen, die erinnerten Lebensdaten und Erfahrungen in einen kohärenten Zusammenhang zu bringen. In der Kulturwissenschaft zählt die biographische Methode seit jeher zum Arsenal empirischer Untersuchungs- und Deutungsmethoden. Die Volkskunde und besonders die volkskundliche Erzählforschung haben früh die Beziehungen zwischen Forschungsgegenstand und Lebensgeschichten der Probanden erkannt. Neuere Untersuchungen betrachten das Erzählen des eigenen Lebens – vor allem seit den grundlegenden Arbeiten von Albrecht Lehmann – als Identitätsarbeit des Erzählers und bieten zahlreiche Ansatzpunkte für die Frage, welche Rolle das biografische Erzählen in der Alltagsbewältigung alter Menschen spielt. Wie können die theoretischen Erkenntnisse der Erzählforschung in der Altenpflege praktisch umgesetzt werden, wo der Begriff „Biografiearbeit“ als methodische Grundlage des altenpflegerischen Handelns eingeführt ist. Besonders hinsichtlich der Forderung nach innovativen Konzepten für eine „kultursensible Altenpflege“, hinter der die steigende Anzahl pflegebedürftiger Migranten und Migrantinnen steht, können die in der Lausitz seit Jahrzehnten in der Pflege gemachten ethnischen Erfahrungen modellhaft wirken.