Die spezifische soziolinguistische Situation des akut vom Aussterben bedrohten Niedersorbischen bringt es mit sich, dass – abgesehen von der Generation der über 60-Jährigen – diejenigen, die heute diese westslawische Sprache aktiv verwenden, fast ausschließlich Nicht-Muttersprachler mit der Erstsprache Deutsch sind. Niedersorbisch wurde von ihnen in der Regel als Zweitsprache in der Schule und ähnlichen Bildungseinrichtungen und/oder autodidaktisch erlernt. Die Qualität der Sprachkenntnisse ist dementsprechend sehr unterschiedlich. Das DNW versucht, den sich daraus ergebenden besonderen Anforderungen an ein aktives Wörterbuch und dem vor allem vor dem Hintergrund laufender Revitalisierungsbemühungen generell großen Bedarf an zuverlässigen Informationen zum aktiven Gebrauch des Niedersorbischen gerecht zu werden.
Die Arbeiten am Wörterbuch wurden 2001 begonnen. Seit 2003 steht das DNW als Vorab-Veröffentlichung im Internet zur Verfügung. Der dortige Artikelbestand wird seitdem laufend aktualisiert und erweitert. Seit Juli 2007 liegen für alle Lemmastrecken (Anfangsbuchstaben) Wörterbuchartikel vor, so dass es sich bereits um ein (in diesem Sinne) vollständiges Nachschlagewerk zum aktiven Gebrauch des Niedersorbischen handelt. Weitere Informationen zu Eigenschaften und Gebrauch des Wörterbuchs, zu seinem Ausbau und zum aktuellen Bestand an Artikeln finden sich unter der Rubrik "Info" der Internetversion des DNW.
Als Materialbasis zur Erarbeitung des Wörterbuchs dient neben der Sprachkompetenz der beiden muttersprachlichen Autoren Manfred Starosta (Leitung des Projekts) und Erwin Hannusch sowie weiterer muttersprachlicher Informanten auch das computerlesbare Textkorpus der niedersorbischen Schriftsprache.
Das Wörterbuchprojekt war im Laufe der Jahre mehreren konzeptionellen Änderungen unterworfen, die sich erheblich auf den Umfang und den damit verbundenen Arbeitsaufwand auswirkten. 2001 wurde die Arbeit unter Leitung von M. Starosta aufgenommen mit dem Ziel, ein Schulwörterbuch mit ca. 20.000 Stichwörtern zu erarbeiten. 2003 wurde das Schulwörterbuch als eigenständiges Projekt abgetrennt (Deutsch-niedersorbisches Schulwörterbuch; geplanter Umfang: ca. 10.000 Stichwörter). Es wird auf Grundlage des DNW unter Leitung von Dr. Anja Pohontsch (Abteilung Sprachwissenschaft Bautzen) erarbeitet und den schulischen Erfordernissen angepasst. Der Umfang, d.h. Mikro- wie Makrostruktur, der Hauptversion (Deutsch-niedersorbisches Wörterbuch DNW) wurde dagegen erheblich erweitert, und zwar zunächst auf 40.000 (2004), später auf mehr als 60.000 Stichwörter, um die derzeit noch vorhandene muttersprachliche Kompetenz von Lexikographen und Informanten für eine möglichst umfassende Beschreibung des Niedersorbischen nutzen zu können. Derzeit (2011) sind bereits Informationen zu mehr als 76.000 Stichwörtern im Internet verfügbar.
Technische Konzeption: Kern des Wörterbuchs ist eine vollständig in XML modellierte lexikographische Beschreibung des Niedersorbischen. Diese dient neben dem aktuellen Zweck der Informationsweitergabe in Form eines Wörterbuchs außerdem der Dokumentation der Sprache. Durch Verwendung des XML-Formats wird eine langfristige und vielfältige Nutzung der gesammelten Informationen gewährleistet.
Projektmitarbeiter: Manfred Starosta (Leitung, extern), Erwin Hannusch (extern),
Dr. Hauke Bartels (Leitung Internetversion); Informantenkreis (bis 2008)
Hinweis:Ein ebenfalls in der Cottbuser Abteilung erarbeitetes niedersorbisch-deutsches Wörterbuch liegt bereits vor:
– Manfred Starosta:
Niedersorbisch-deutsches Wörterbuch. Bautzen: Domowina-Verlag 1999, ISBN 3-7420-1096-4