SORBISCHES INSTITUT - SERBSKI INSTITUT
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Kultur- und Sozialgeschichte

Das Vorgänger-Institut für sorbische Volksforschung unterhielt neben einer stark ausgebauten Abteilung Geschichte eine selbstständige Abteilung für Literaturgeschichte bzw. – ab den achtziger Jahren – für Kultur- und Kunstwissenschaften. Bei der Neugründung 1992 sind diese Disziplinen in einer Struktureinheit zusammengefasst worden. Damit sollen komplex angelegte Darbietungen zur neueren Geschichte, zur Literatur, Musik, bildenden und darstellenden Kunst angeregt und erleichtert werden, daneben auch enzyklopädische Editionen, die die Ausprägung und Entfaltung moderner sorbischer Identität veranschaulichen können.

Die verdienstvolle vierbändige „Geschichte der Sorben“ (1973–1979) beruht namentlich in ihrem letzten Teil, der die Lage des Ethnikums zur Zeit der DDR vorstellt, auf einer einseitigen bzw. lückenhaften Interpretation der Quellen. Erweiterung und Korrektur des Geschichtsbildes richten sich daher insbesondere auf die Periode nach dem Zweiten Weltkrieg; die gesamte Epoche seit der nationalen Wiedergeburt bleibt jedoch weiterhin im Blick. Ausgebaut werden vergleichende Forschungen zur Schul- und Minderheitenpolitik in Deutschland im 19. / 20. Jahrhundert.

Die Gesamtdarstellung des sorbischen Schrifttums war lange Zeit nicht über das Jahr 1918 hinausgelangt. Ein 1994 erschienener erster Studienband zur Literatur nach 1945 hatte eine Lücke geschlossen, die 1998 vorgelegte Synthese zur Literatur der Zwischenkriegszeit rundete das Vorhaben ab. Die Theatergeschichte, einst bis zum Jahr 1962 zusammenfassend beschrieben, ist bis über die Jahrtausendwende fortgeführt worden (2003).

Die Forschungen zur sorbischen bildenden Kunst widmen sich der Geschichte der Kunst vom frühen Mittelalter bis zur Gegenwart, dem Blick „von außen“ auf die Sorben in der deutschen Kunst sowie Phänomenen der Massenkultur im Vergleich. Der historische Überblick „Sorbische Musik“ (1966, 1978) soll künftig durch Epochenabrisse oder vergleichende Studien über Musikentwicklung und musikalisches Leben der Sorben, darunter die Chorbewegung, ergänzt werden.

Der komplexe kulturwissenschaftliche Ansatz in der Forschungsabteilung schließt die historisch-vergleichende Erkundung und Deutung der sorbisch-osteuropäischen und sorbisch-deutschen Kulturbeziehungen bewusst ein. Daraus ergibt sich unter anderem die Möglichkeit zur Korrektur einer dominanten sorbischen Innensicht, die in der Vergangenheit nicht selten perspektivischen Täuschungen im Hinblick auf eigene Spezifik und eigenes Format erlegen war.
17. 1. – 5. 4. 2012 „Rübezahl, Krabat – kennt ihr sie?“
Ausstellung der ausgezeichneten Arbeiten von Kindern der Euroregion Neisse im Sorbischen Institut
30.7.–17.8.2012 in Bautzen
Friedrich Pollack: Die Entdeckung des Fremden. Wahrnehmung und Darstellung der Lausitzer Sorben im gelehrten Schrifttum des 17. und 18. Jahrhunderts
"Jakub Bart-Ćišinski (1856–1909). Erneuerer der sorbischen Literatur/Wobnowjer serbskeje literatury"
heißt die 333-seitige Schrift, herausgegeben von Dietrich Scholze und Franz Schön.
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