Aufbau, Programmatik und Wirkunsweise von Minderheitenorganisationen: Die Domowina als Minderheitenorganisation (1945 bis zur Gegenwart)
Die Domowina, 1912 geschaffene Dachorganisation sorbischer Vereine, konnte als einzige sorbische Organisation nach der Gründung der DDR weiter bestehen. Sie wurde in die zentralistischen politischen und ideologischen Strukturen der „sozialistischen Gesellschaft“ eingebettet und seit Mitte der 60er-Jahre als „sozialistische Massenorganisation“ definiert. Im Projekt wird untersucht, inwieweit die Domowina unter diesen Bedingungen als spezifische Minderheitenorganisation wirksam wurde, sie die Interessen und Forderungen der sorbischen Bevölkerung artikulierte und durchzusetzen suchte und wie sich dies im „Alltag“ der Organisation an der Basis (= Ortsgruppen) niederschlug. Des Weiteren wird der Transformationsprozess der Domowina zu einer Minderheitenorganisation unter demokratischen Verhältnissen seit 1990 hinsichtlich Zielstellung, Mitgliedschaft, Struktur, politischer Wirksamkeit und Basisarbeit untersucht. Besondere Schwerpunkte bilden dabei die minderheitenpolitische Programmatik, Beziehungen zum Staat (Bund, Länder) und zu politischen Parteien sowie die Mitwirkung des sorbischen Dachverbands bei der Konzipierung und Realisierung der Minderheitenpolitik in Sachsen und Brandenburg.