Benachteiligung, Marginalisierung oder Unterdrückung in der Gesellschaft führen in der Regel dazu, dass die Betroffenen bestimmte Racheaffekte entwickeln und schließlich selbst zu Aggressionen neigen. Die meisten Psychologen bzw. Sozialpsychologen (S. Freud, E. Fromm, A. Adler u. v. a.) weisen nach, dass marginalisierte und benachteiligte Menschen sich leer fühlen, diese Leere jedoch mit Pflichterfüllung oder entsprechendem Gehorsam füllen. Oft wird die eigene aufgestaute oder unterdrückte Aggression auf andere, noch Schwächere projiziert. Von Sorben wird allgemein behauptet, dass sie friedlich, „sanft“ und nicht gewaltbereit seien. Das drückte ein ehemaliger Generalsuperintendent (in Cottbus 1988) so aus: „Wer in Sorge um den Frieden in unseren Tagen ein historisches Beispiel für Gewaltverzicht sucht, den kann man auf die Wenden in ihrer tausendjährigen Geschichte des Zusammenlebens mit den Deutschen hinweisen. Auf Unterdrückung haben sie nicht mit Gegengewalt reagiert: Terroristen sind die Wenden nie geworden ...“ Die angebliche Gewaltlosigkeit der Sorben ist eine interessante These, die es mit kulturpsychologischen Methoden zu hinterfragen lohnt.