Prozess und Funktionen der Stereotypisierung am Beispiel der Oberlausitzer Sorben. Eine empirische Untersuchung (Dissertation)
Die Arbeit befasst sich mit dem Bild, das die deutsche Bevölkerung von der sorbischen Bevölkerung im deutsch-sorbischen Siedlungsraum kolportiert. Grundlage für die Untersuchung bilden 20 narrative Interviews mit deutschen und sorbischen Gesprächspartnern, bei denen die Heterostereotypen der deutschen Bevölkerung gegenüber den Sorben ebenso wie die Autostereotypen der Deutschen und Sorbischen erfragt wurden. Aufschlussreich ist auch das Wissen der sorbischen Interviewpartner um die ihnen zugeschriebenen Nationaleigenschaften sowie ihre Heterostereotypen anderen Fremdgruppen gegenüber. Auf diese Weise lassen sich Aussagen über die wechselseitige Konstruktion des Sorbenbildes treffen, das sich in Eigen- und Fremdwahrnehmung überlagert. Gibt es einen allgemeinen Konsens innerhalb der deutschen Interviewpartner über die Art der Stereotype, wie sie den Sorben zugeschrieben werden? Welche Stereotype werden benannt, wie ist ihre Gewichtung? Welche unterschiedlichen Sichtweisen auf die Thematik lassen sich aus dem Interviewmaterial herauslesen? Erfolgt in allen Fällen eine Stereotypisierung oder lassen sich auch differenzierende Aussagen finden? Welche Formen der Argumentation werden für Stereotypisierung und Differenzierung genutzt? Welche Autostereotype werden von den Sorben selbst kolportiert und wie schätzen sie ihre Lage als „Opfer“ der Stereotypisierung ein? Im Vorspann der eigentlichen Analyse steht eine Sichtung historischer Quellen, die die Langlebigkeit einiger Stereotypen die Sorben betreffend unter Beweis stellen.