SORBISCHES INSTITUT - SERBSKI INSTITUT
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Visuelle Identifikationen. Aspekte der Bildnisfotografie bei den Sorben von der Mitte des 19. Jahrhunderts bis zum Beginn des Ersten Weltkriegs


Die Geschichte der Fotografie steht im Zusammenhang mit dem Aufstieg des Bürgertums im 19. Jahrhundert. Das neue Medium befriedigte die Bedürfnisse nach Bildung und geistiger Aneignung der Wirklichkeit, aber auch das Repräsentationsbedürfnis der aufsteigenden Klasse. Durch die Carte-de-visite-Fotografie verbreitete sich seit den 50er-Jahren die Porträtfotografie in weiten Teilen der Gesellschaft. Auch für die Sorben wurden fotografische Porträts zentrales Mittel bürgerlicher wie nationaler Selbstdarstellung. Fotografie ist mehr als Hilfsmittel zur musealen Dokumentation volkskundlicher Konvolute. Gesucht werden soll nach vermittelnden methodischen Ansätzen, aber dominieren wird Fotografie als visuelles Medium, bzw. Form visueller Kunst. Vorrang soll ein bildnalytisches Verfahren haben, unterstützt und hinterfragt durch ikonografische, biografische, soziale, historische, kultur- und fotografiegeschichtliche Bezüge.

Untersuchungsgegenstände bilden Porträtfotografien von Sorben und Sorbinnen. Sie bezeugen Bedürfnisse nach Selbstdarstellung, gewähren Einblicke in Lebensstationen, Lebensweisen und vermitteln ein bestimmtes Werteverhalten. Es wird zu fragen sein, ob sich die Bedürfnisse der Dargestellten und die Intentionen meist professioneller Atelier- bzw. Wanderfotografen auch auf die Gestaltungsprinzipien der Fotografien ausgewirkt haben. Zu prüfen wäre, in welchem Maße Anleihen aus der bildenden Kunst stilprägend für die frühen Porträtaufnahmen waren. Die Spannbreite zwischen privatem, offiziellem, repräsentativem Bildnis und pittoresker Ethnofotografie offenbart sich deutlich bei den Gruppenporträts (Familien, Schulklassen, Spinnten, Studentenvereine, sorbische Landtagsabgeordnete, Deputationen anlässlich der Besuche in den sächsischen und preußischen Königshäusern, konfessionelle Körperschaften, Bildnisse anlässlich von Gewerbeschauen usw.).
Die Popularität der frühen Porträtfotografie beruhte vor allem auf ihrer vermeintlichen Abbildtreue. Aber das fotografische Bildnis „im ästhetisch-künstlerischen Bereich ist immer Existenzbezeugung und Deutung der Existenz zugleich“ (Berthold Beiler).

Projektbearbeiter: Dr. Maria Mirtschin
17. 1. – 5. 4. 2012 „Rübezahl, Krabat – kennt ihr sie?“
Ausstellung der ausgezeichneten Arbeiten von Kindern der Euroregion Neisse im Sorbischen Institut
30.7.–17.8.2012 in Bautzen
Friedrich Pollack: Die Entdeckung des Fremden. Wahrnehmung und Darstellung der Lausitzer Sorben im gelehrten Schrifttum des 17. und 18. Jahrhunderts
"Jakub Bart-Ćišinski (1856–1909). Erneuerer der sorbischen Literatur/Wobnowjer serbskeje literatury"
heißt die 333-seitige Schrift, herausgegeben von Dietrich Scholze und Franz Schön.
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