SORBISCHES INSTITUT - SERBSKI INSTITUT
SORBISCHES  INSTITUT - SERBSKI  INSTITUT

Schulpolitik und autochthone Minderheiten in Deutschland 1871–1990. Die Sorben im Vergleich


Für die gesamte Geschichts- und Sozialwissenschaft waren die kleinen Minderheiten bislang nur ein Randthema. Komparatistische Arbeiten zur Problematik haben sich meist auf die großen nationalen Spannungsgebiete in Deutschland bezogen. Im Projekt soll deshalb die staatliche Politik gegenüber den autochthonen Minderheiten ohne „Mutter-Nation“ im Mittelpunkt stehen. Das ermöglicht eine neue Sichtweise auf die deutsche Minderheitenpolitik seit der Reichsgründung. Den Kernpunkt der Untersuchung bildet die Schulpolitik.
Nach Proklamation des Deutschen Kaiserreichs 1871 wurde die staatliche Sprachen- und Minderheitenpolitik verschärft. Das Ziel bestand darin, Angehörige anderer Volksgruppen zu entnationalisieren und letztlich im Deutschtum aufgehen zu lassen. Betroffen waren zunächst die größeren nationalen Minderheiten, vor allem in den polnischen Ostgebieten, im deutsch-dänisch besiedelten Schleswig und im deutsch-französischen Elsass-Lothringen. Diese veränderte Politik hatte auch Rückwirkungen auf die kleineren Minderheiten. Dazu zählten Tschechen und Litauer, die über eine „Mutter-Nation“ verfügten, sowie autochthone Volksgruppen ohne Staat wie Sorben, Friesen und Kaschuben (Slowinzen).
Ausführlich geschildert werden Zäsuren, aber auch Kontinuitäten der Sprachen- und Minderheitenpolitik nach 1871, 1918 und 1933. Den größten Einschnitt für die deutsche Bildungspolitik bedeutete das Jahr 1945. Eine weitgehend gemeinsame Auffassung der Besatzungsmächte war damals, dass das Erziehungswesen in Deutschland einer grundlegenden Reform bedürfe. Das Minderheitenschulwesen 1945–1990 wird insbesondere unter dem Aspekt der Abkehr vom deutschen Nationalismus untersucht.

Projektbearbeiter: Dr. Edmund Pech
17. 1. – 5. 4. 2012 „Rübezahl, Krabat – kennt ihr sie?“
Ausstellung der ausgezeichneten Arbeiten von Kindern der Euroregion Neisse im Sorbischen Institut
30.7.–17.8.2012 in Bautzen
Friedrich Pollack: Die Entdeckung des Fremden. Wahrnehmung und Darstellung der Lausitzer Sorben im gelehrten Schrifttum des 17. und 18. Jahrhunderts
"Jakub Bart-Ćišinski (1856–1909). Erneuerer der sorbischen Literatur/Wobnowjer serbskeje literatury"
heißt die 333-seitige Schrift, herausgegeben von Dietrich Scholze und Franz Schön.
SORBISCHES INSTITUT - SERBSKI INSTITUT | Bahnhofstraße/Dwórnišćowa 6 | D-02625 Bautzen/Budyšin