Die Cottbuser Zweigstelle für niedersorbische Forschungen des Sorbischen Instituts e.V. mit Sitz in Bautzen nahm am 1. September 1992 im Wendischen Haus ihre Tätigkeit auf. Sie ist die erste wissenschaftliche Einrichtung, die sich im Rahmen der allgemeinen Thematik sprachlich-kultureller Minderheiten speziell mit dem Niedersorbischen und den Sorben/Wenden in der Niederlausitz beschäftigt. Angesichts der akuten Gefährdung der niedersorbischen Sprache sind die Arbeitsschwerpunkte der Niedersorbischen Zweigstelle so gewählt, dass ihre Ergebnisse einen direkten oder indirekten Beitrag zum Spracherhalt leisten können.
Im Mittelpunkt der Arbeit stehen dementsprechend die Dokumentation des Niedersorbischen, die Lexikologie und Lexikographie der modernen niedersorbischen Schriftsprache, die Erforschung von Auswirkungen des deutsch-niedersorbischen Sprachkontakts sowie die Geschichte der Niedersorben im 19. und 20. Jahrhundert.
Die Erarbeitung von
Wörterbüchern zum Niedersorbischen ist ein wichtiger Bestandteil der Sprachdokumentation. Bereits 1999 wurde ein umfangreiches niedersorbisch-deutsches Wörterbuch fertiggestellt und im Domowina-Verlag veröffentlicht. Seitdem ist ein neues
Deutsch-niedersorbisches Wörterbuch (DNW) in Bearbeitung, das nicht nur als gedrucktes Buch erscheinen wird, sondern als Vorab-Veröffentlichung größtenteils bereits jetzt im Internet zur Verfügung steht. Unter der Adresse
www.niedersorbisch.de finden sich weit mehr als 60.000 Stichwörter. Eine möglichst genaue Beschreibung mit zehntausenden von Beispielsätzen möchte ein gründliches Erlernen des Niedersorbischen erleichtern und damit einen aktiven Beitrag zum Spracherhalt leisten. Das DNW wird seit seiner Bereitstellung im Internet (2003) laufend erweitert und aktualisiert.
Ebenfalls der
Sprachdokumentation dient die Erstellung eines umfassenden computerlesbaren Textkorpus, das bereits einen beträchtlichen Teil des niedersorbischen Schrifttums in digitaler Form beinhaltet und eine wichtige Grundlage weiterer Forschungen zum Niedersorbischen darstellt. Weitere sprachwissenschaftliche Arbeitsgebiete sind die Geschichte der niedersorbischen Schriftsprache, die Beeinflussung des Niedersorbischen durch Sprachkontakt vor allem mit dem Deutschen und seine Grammatik.
Im Bereich
historischer Forschung standen zunächst eine Neubewertung der Nachkriegsgeschichte („Die sorbische Bewegung 1945-48 zwischen Selbstbehauptung und Anerkennung“) sowie eine Untersuchung zur nationalen Entwicklung der Sorben in den Jahrzehnten nach dem Zweiten Weltkrieg im Mittelpunkt. In den kommenden Jahren soll das Verhältnis zwischen Sorben und evangelischer Kirche genauer beleuchtet werden. Hierzu zählt auch die Verdrängung des Niedersorbischen als Kirchensprache und deren Folgen für den Sprachwechsel in der Niederlausitz.