Drei Schwerpunkte kennzeichnen die Forschungsarbeit der Abteilung:

Alltagskulturforschung im Umfeld der sorbischen Minderheit in der Lausitz

vergleichende Minderheitenforschung in europäischer Perspektive

Grundlagenforschung zu Themen wie Hybridität, multidimensionale Identitäten, kulturelle Differenz, Mehrsprachigkeit und interkultureller Dialog.
Der Begriff Alltagskultur problematisiert jene Schnittstelle, an der das Gesellschaftliche und das Individuelle ineinandergreifen. Dabei verstehen wir Kultur als sozialen Prozess, als Strategie der Lebensbewältigung. Wir untersuchen nicht Gegenstände an sich – Erzählungen, Bilder, Trachten oder Bräuche –, sondern wir fragen, was sich dahinter verbirgt und was sich darin ausdrückt: etwa Lebensgefühle, Wertungen, Normen, Kontrollmechanismen, Handlungsmotivationen. Der Akzent liegt auf der Gegenwart, wobei wir die aktuelle Situation als eine historisch gewordene, offene und dynamische Konstellation auffassen. Damit gelangen soziale, regionale und Generationsunterschiede, Geschlechterspezifika und andere Differenzen in den Blick.
Der Kreis der Forschungsthemen ist weit gesteckt: Identität, Ethnizität, Vorurteile und Stereotypen, Religiosität, Familie, Auswanderer, Umsiedler, Raum und Lebenswelt, Volkserzählung, Sprichwörter, Bilder von den Sorben, neue Medien. Es geht u. a. um Fragen der kulturellen Differenz, um Konstruktionen des Eigenen, um Strategien des Umgangs mit dem Fremden, um Bildung, interkulturelle und interethnische Kommunikation. Besonders interessieren ethnisch-kulturelle Abgrenzungen und Vermischungen.
Die Region, wo „das Slawische“ und „das Deutsche“ aufeinandertreffen, wo Zweisprachigkeit und Bikulturalität realiter gelebt werden, ist ein besonders geeignetes Feld, um Grundprobleme der europäischen Kultur zu diskutieren. Das zeichnet die vergleichende Minderheitenforschung in der Abteilung aus und ermöglicht konzeptionelles Vordenken.
Unser Anliegen ist, empirische und theoretische Forschung zu verbinden, die „positivistische“ Materialsammlung und deren theoretische Deutung zu vereinen. Zu unserem Profil gehören quantitative Erhebungen ebenso wie qualitative Untersuchungen. Wir bedienen uns sozialwissenschaftlicher und komparatistischer Methoden und beziehen verstärkt systemtheoretische und konstruktivistische Erkenntnisse ein.
Die Abteilung ist spezialisiert in:

Netzwerkarbeit auf dem Gebiet der Minderheitenforschung

Beratung für die kulturelle Praxis, unter anderem für Lehrende und Forschende, Museen und Vereine, Sozialarbeiter und Journalisten

Bearbeitung von kulturpolitischen und sozial- wie wirtschaftsstrategischen Analysen.