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In Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention (UN-BRK) wurde in die Webseite des Sorbischen Instituts eine Vorlesefunktion für Deutsch implementiert. Leider ist eine entsprechende Technologie für die beiden sorbischen Schriftsprachen nicht verfügbar. Das Sorbische Institut ist sich dieser Problematik bewusst und sondiert zurzeit mit Partnern die Entwicklung einer entsprechenden Software. Außerdem bereiten sorbische Ausdrücke in deutschem Text der deutschen Vorlesefunktion erkennbar Schwierigkeiten. Wir bitten dafür um Verständnis, da wir nicht allein aus diesem Grund auf die sorbischen Ausdrücke verzichten möchten.

Die oben genannte Maßnahme wurde finanziert aus Steuermitteln auf der Grundlage des von den Abgeordneten des Sächsischen Landtags beschlossenen Haushalts.

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(c) Heidi Pinkepank
(c) Heidi Pinkepank

Öffentliche Tagung untersucht transdisziplinäre Perspektiven auf die Tagebaufolgelandschaften

Über neue Formen der Landnutzung und die Bewahrung der Geschichte des Tagebaus diskutieren Wissenschaftler*innen der BTU Cottbus-Senftenberg gemeinsam mit dem Sorbischen Institut und dem Institute for Heritage Management, öffentlichen Einrichtungen und Unternehmen auf einer hybriden Konferenz

(Cottbus, 10. September 2021)
Gemeinsame Medieninformation mit der BTU Cottbus-Senftenberg

Die Gewinnung von Rohstoffen wie Erz, Sand oder Kohle im Tagebau ist eine der intensivsten Eingriffe in eine Landschaft. Böden, Wasserhaushalt, Pflanzen und Tierwelt – die Gestalt ganzer Landschaftszüge ist dauerhaft verändert. Die Neugestaltung dieser Tagebaufolgelandschaft steht im Fokus der öffentlichen Tagung "KULTURLANDSCHAFT. Strukturen der Tagebaufolge lesen, verstehen, gestalten, entwickeln".


Datum: Mittwoch bis Freitag, 15. bis 17. September 2021

Ort: Atelier Oestreich, BTU Cottbus-Senftenberg, Standort Cottbus, Zentralcampus, Konrad Wachsmann Allee, Lehrgebäude 2 C/D
Die Lausitz ist eine Region mit langer bergbaulicher Tradition. Sie zählt seit jeher zu den Gebieten Deutschlands mit besonders ausgeprägten Klimaextremen und einem sehr hohen Anteil an Böden mit überwiegend geringer Wasserspeicherkapazität und Ertragskraft. "Die Lausitz ist ein Landschaftslaboratorium, in dem seit mehr als einem Jahrhundert die Brachen der Braunkohletagebaue innovativ rekultiviert, renaturiert, urbar gemacht und neugestaltet werden", so Prof. Markus Otto, Leiter des BTU-Fachgebiets Planen in Industriefolgelandschaften. "Über eine Anerkennung als UNESCO Welterbe können diese Bemühungen zur Quelle neuer internationaler Wertschätzung und regionaler kultureller Identität werden."

Gemeinsam mit dem Sorbischen Institut und dem Institute for Heritage Management konnten die Wissenschaftler*innen der BTU Cottbus-Senftenberg in einer Welterbestudie zeigen, dass die Orte des Braunkohletagebaus in der Lausitz das Potenzial haben, UNESCO Welterbe zu werden. Ziel der Forschenden ist es, einen neuen, positiven Zugang zur regionalen Geschichte des Braunkohleabbaus und der damit verbundenen Landschaftsinnovation zu schaffen. "Zusätzlich zu einer gesteigerten regionalen Identität erwarten wir auch einen ökonomischen Nutzen der Welterbeinitiative, insbesondere im Bereich des Kulturtourismus", fasst Prof. Otto die Ziele des Verbundvorhabens „Lausitzer Tagebaufolgelandschaften als UNESCO Welterbe“ zusammen.

Der Antrag für die Aufnahme auf die deutsche Vorschlagsliste des UNESCO Kultur- und Naturerbes der Welt ist auf dem Weg. Dieser wird von der zuständigen Länderbehörde über das Sekretariat der Ständigen Konferenz der Kultusminister der Länder in der Bundesrepublik Deutschland, das Auswärtige Amt und das UNESCO-Welterbezentrum in Paris dem Welterbekomitee zur Entscheidung vorgelegt. Bis 2024 erwarten die Antragsteller*innen ein Ergebnis.

"Auf der Tagung wagen wir einen kritischen Rückblick auf die Geschichte der Kultur- und Siedlungsräume", sagt Heidi Pinkepank, wissenschaftliche Mitarbeiterin im Fachgebiet Planen in Industriefolgelandschaften sowie Gesellschafterin des Institutes für Neue Industriekultur INIK GmbH . "Deren Entstehung und Entwicklung ist nicht nur durch die naturräumlichen Gegebenheiten und technischen Möglichkeiten geprägt, sondern ganz entscheidend auch von gesellschaftlichen Rahmenbedingungen wie aktuellen Trends oder dem Zusammenspiel von Politik und Wirtschaft abhängig."

Neben strukturellen Veränderungen der Arbeitswelt von überwiegend landwirtschaftlich geprägter Tätigkeit zur Beschäftigung in der Industrie ist auch die Ansiedlung von Arbeitskräften entscheidend. "Der Wandel ist insbesondere von dem Verhältnis von Einheimischen zu Zugezogenen und der damit einhergehenden Verschiebung des Mehrheiten-Minderheiten-Verhältnisses geprägt", so Dr. Hauke Bartels, Direktor des Sorbischen Instituts in Bautzen. Im Fokus der Forschung des Sorbischen Instituts steht die Rolle der anerkannten Minderheit der Sorben/Wenden. "Sorbische Traditionen in der Landnutzung, kulturelle Praktiken und Netzwerke sind durch alle untersuchten Zeiten und Bereiche hindurch ein Querschnittsthema und daher auch für die Forschung zur Folgelandschaft relevant", sagt Dr. Hauke Bartels. "Sorben bzw. Wenden haben die Lausitz als Kulturlandschaft historisch geprägt. Und Folgelandschaften sind nicht nur Innovationslabore für neue Landnutzungsformen, sondern auch Handlungsarenen für regionale Identitäten. Sie sind erinnernde Landschaften, deren historisch-kulturelles Erbe es möglichst partizipativ zu gestalten gilt."

"Im Rahmen des Forschungsverbundes ‚Land-Innovation-Lausitz (LIL)‘ entwickeln wir gemeinsam mit unseren Partnern aus Wirtschaft, Wissenschaft und Zivilgesellschaft die Lausitz zu einer Modellregion für eine nachhaltige Bioökonomie. Neben innovativen Technologien und Nutzungsformen entlang der Wertschöpfungskette spielt die Tagebaufolgelandschaft als Kulturlandschaft eine wesentliche Rolle", fasst die BTU-Präsidentin Prof. Gesine Grande die Ziele der Forschung zusammen. "Unser Fokus liegt darin, Tradition und Veränderung in Einklang zu bringen und positiv erlebbar zu machen."

Die Tagung KULTURLANDSCHAFT ist Teil des Verbundvorhabens "Lausitzer Tagebaufolgelandschaft als UNESCO Welterbe", das im Rahmen des Bündnisses "Land-Innovation-Lausitz (LIL)" vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) im Förderprogramm "WIR! – Wandel durch Innovation in der Region" gefördert wird. Das Studiengebiet des Tentativantrags der Lausitzer Tagebaufolgelandschaft umfasst nach aktuellem Stand cirka 32.500 Hektar und insgesamt etwa 30 Gebietskörperschaften in fünf Landkreisen.

Zum Programm: www.b-tu.de/fg-industriefolgelandschaften/forschung/konferenz/tagungsprogramm

Pressemappe "LIL Welterbe" (Stand: 14.09.2021)
Grußwort von Dr. Hauke Bartels, Direktor des Sorbischen Instituts (am 15.9.2021)
Medieninformation zum Download (PDF)

Impressionen von der Tagung KULTUR(tagebau)LANDSCHAFT

© BTU/Ralf Schuster (2021)
Gesine Grande, Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg spricht das Grußwort am 15.9.2021
Gesine Grande, Präsidentin der BTU Cottbus-Senftenberg, spricht das Grußwort (Blick aus dem Publikumsraum)
Hauke Bartels, Direktor des Sorbischen Instituts, spricht das Grußwort am 15.9.2021
Uwe Rada von der Tageszeitung taz spricht die Keynote am 15.9.21, Blick aus dem Zuhörerraum
Zuhörer


Was gibt es Neues im Sorbischen Institut? Neue Ausgabe des "Wokolnik" (Newsletter) erschienen

(Bautzen, 8. September 2021)

Die neue Ausgabe des Wokolnik mit Neuigkeiten aus dem Sorbischen Institut erschienen. Der Newsletter erscheint in drei Sprachen (Deutsch, Ober- und Niedersorbisch) zwei- bis dreimal im Jahr.

Inhalt (Auswahl):
  • Vorwort des Direktors
  • Zuwachs im niedersorbischen Namenportal – Neue RBB-Reihe "Serbski mjenjowědnik wujasnijo" (Sorbischer Namenforscher erklärt)
  • Die Sorbenpolitik der DDR – Strukturen, Akteure und Interessen 1945-1990 (neues Forschungsprojekt)
  • Das Sorbische/Wendische in der brandenburgischen Denkmalliste
  • Ćišinski Förderpreis für wissenschaftlichen Mitarbeiter
  • Bibliothek und Archiv wieder regulär geöffnet
  • Zwei Ausschreibungen: bis 31. Oktober für ein Forschungsstipendien am Sorbischen Institut bewerben | zwei Stellenausschreibungen im Bereich Digital Humanities, Computerlinguistik mit Bewerbungsfrist bis 1. Oktober 2021
  • Wanderausstellung "Die Freiheit winkt!" vom 13.-24. September im SI in Bautzen
  • Veranstaltungen: 10.11.2021, Institutstag in Hoyerswerda | 28.9.2021, Vortrag zur späten sächsischen Kriegsgesellschaft und Buchpremiere "Die Oberlausitz im Zweiten Weltkrieg" im Steinhaus Bautzen
  • Nachlese: Über das Nachwuchsforschertreffen der Sorabisten | "Wege – Gestalten – Profile. Katholische Kirche in der sächsischen Diaspora" – Kolloquium mit starker SI-Beteiligung
  • Neue Veröffentlichungen: Dimensions of Cultural Security for National and Linguistic Minorities; Von Mund zu Ohr via Archiv in die Welt; Die Oberlausitz im Zweiten Weltkrieg. Studie zu den wendisch-deutschen Kreisen in Sachsen und Niederschlesien 1936 bis 1946


Hinweis: Um eine Anzeige mit allen Funktionen (insbes. Links) zu erhalten, bitte anmelden unter https://www.serbski-institut.de/de/Newsletter/ .
Newslettervorschau WOKOLNIK 1/2021 (PDF-Download, ohne aktive Links)


Wissenschaftliche Evaluation des Sorbischen Instituts

(Bautzen, 9. September 2021)

Seit gestern (8.9.) ist im Sorbischen Institut in Bautzen und Cottbus die Evaluationskommission zu Besuch – noch bis morgen (10.9.). Die wissenschaftliche Evaluierungskommission leitet Prof. Dr. Roland Marti, Slavist an der Universität Saarbrücken. Neben dem wissenschaftlichen Beirat des Sorbischen Instituts gehören der insgesamt 13-köpfigen Kommission Wissenschaftler:innen aus dem In- und Ausland an: Dr. phil. Markus Giger (Karlsuniversität Prag), Prof. Vivien Petras PhD (HU Berlin), Prof. Dr. Bernhard Tschofen (Universität Zürich) und Prof. Dr. Anke Hilbrenner (Georg-August-Universität Göttingen). Die Kommission bewertet die Arbeit des Instituts in den beiden Forschungsabteilungen Sprachwissenschaft und Kulturwissenschaften sowie in der Sorbischen Zentralbibliothek und im Sorbischen Kulturarchiv in den Jahren von 2017 bis 2020.
Am Mittwoch (8.9.) tagten die Kommissionsmitglieder in Cottbus. Am Donnerstag und Freitag setzen sie die Begehung in Bautzen fort. Das Plenum am Donnerstagmorgen im Saal des Hauses der Sorben besuchten alle fast 60 Mitarbeiter:innen des Sorbischen Instituts. Die Evaluierungskommission blickt aber nicht nur auf die vergangenen Jahre, sondern fragt auch nach den Zielen für die Zukunft. "Wie wird das Sorbische Institut sein, wenn die anstehenden Pläne alle umgesetzt werden, mit Blick auf die neue Abteilung und den Neubau", fragt der Kommissionsvorsitzende Prof. Marti.
Nach ihrer Begehung erstellt die Kommission ihren Bericht bis Ende des Jahres, der gemeinsam mit der Stellungnahme des Instituts dem Kuratorium überreicht wird. Anfang 2022 soll die Evaluierung abgeschlossen sein. Dann werden die wesentlichen Ergebnisse öffentlich bekannt gegeben.

PR; Domowina-Verlag/LND
© PR; Domowina-Verlag/LND

Neue umfassende Gesamtdarstellung zur Oberlausitz während des Zweiten Weltkriegs aus dem Domowina-Verlag

(Bautzen, 6. September 2021) - Pressemitteilung des Domowina-Verlages

Ein Grundlagenwerk für Wissenschaftler, Heimatforscher und Geschichtsinteressierte ist nun mit der zweibändigen Studie "Die Oberlausitz im Zweiten Weltkrieg" in der Schriftenreihe des Sorbische Instituts erschienen. Der Autor Michael Richter widmet sich darin den wendisch-deutschen Kreisen in Sachsen und Niederschlesien in der Zeit von 1936 bis 1946 und nimmt dabei sowohl die regionale als auch die wendische/sorbische Perspektive zu den damaligen Bedingungen und Geschehnissen ein.
Auf in dieser Breite bislang nicht berücksichtigter Quellengrundlage beschreibt er detailliert die Strukturen des nationalsozialistischen Terrorapparats in der Oberlausitz, benennt Verantwortliche und Mitläufer ebenso wie Regimegegner und Opfer.
Sein besonderes Augenmerk gilt den hier lebenden Menschen und ihren Geschichten. Mit zahlreichen Einzelbeispielen aus den Kreisen Bautzen, Kamenz, Löbau, Hoyerswerda, Rothenburg und teilweise Görlitz werden die damaligen Entwicklungen beleuchtet: von den regionalen Strukturen und Entscheidungsträgern der NSDAP über das Verhältnis der Wenden/Sorben zu den Machthabern, vom Umgang mit Juden, Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen über Kriegswirtschaft und Kriegsverlauf in der Lausitz, besonders in den letzten Monaten des Jahres 1945, bis zur Besetzung durch die Rote Armee, den Kriegsfolgen und dem beginnenden Neuaufbau.

Erstverkaufstag ist der 6.9.2021, beide Bände werden bis zum 30.9.2021 zum Subskriptionspreis von 49,90 Euro angeboten (danach 60,00 Euro)

Michael Richter, Die Oberlausitz im Zweiten Weltkrieg. Studie zu den wendisch-deutschen Kreisen in Sachsen und Niederschlesien 1936–1946 , Schriften des Sorbischen Instituts 68, zwei Teilbände, 1.350 Seiten, Broschur, ISBN 978-3-7420-2603-3

Buchpremiere und Vortrag von Dr. Francesca Weil vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung e.V. an der TU Dresden (HAIT)
28. 9. 2021, 19:00 Uhr, Steinhaus Bautzen
Wir bitten um Anmeldung bis zum 27.9.2021 unter Tel. (03591) 57 72 88 oder per Mail an buchhandlung@domowina-verlag.de


Tagung: KULTUR[tagebau]LANDSCHAFT – Strukturen der Tagebaufolge lesen, verstehen, gestalten, entwickeln

(Cottbus, 19. Juli 2021)

Die Brandenburgische Technische Universität (BTU) Cottbus-Senftenberg und das Sorbische Institut/Serbski institut laden vom 15. bis 17. September nach Cottbus ein.

Ausgangspunkt der transdiziplinär angelegten Tagung war die Frage, welchen besonderen Wert die Folgelandschaften der Lausitzer Tagebaue haben. Bergbaufolgelandschaften sind auf eine besondere Art und Weise durch ihre intensive Nutzung geprägt. Zugleich werden sie aber mit dem Blick auf heutige und zukünftige Nutzungsansprüche weiterhin in großem Umfang neugestaltet. Der Wunsch, ausgewählte Elemente des Bergbaus zu bewahren, steht hierbei durchaus in einem Spannungsverhältnis zu neuen Nutzungen einer belebten (Industrie)Kulturlandschaft. Im Kontext dieses Spannungsfeldes unternehmen wir den Versuch, die Lausitzer Bergbaufolgelandschaft "lesen" zu lernen.

Die Auseinandersetzung mit den vorliegenden Strukturen der Tagebaufolgelandschaft ist dabei ganz wesentlich von der Haltung geprägt, dass die Entstehung und Entwicklung der betrachteten Kultur- und Siedlungsräume nicht nur durch die naturräumlichen Gegebenheiten und technischen Möglichkeiten, sondern ganz entscheidend auch von gesellschaftlichen Bedingungen abhängig sind und einen von vielen Ungleichzeitigkeiten begleiteten Prozess darstellen. Historische, kulturwissenschaftliche und planerische Ansätze werden zusammengeführt und im Austausch mit Praktikern und Praktikerinnen zu einer umfassenden Perspektive auf den Tagebau und die Gestaltung seiner Folgelandschaft verbunden. Der Tagebau und die Gestaltung seiner Folgelandschaft sind somit nicht nur als ein technisches Vorhaben zu begreifen, in dem Landschaften neugestaltet werden, sondern auch als eine umfassende gesellschaftliche Transformation.

In der Tagung wird daher ein kritischer Rückblick auf Vergangenes gewagt und mit handlungsleitenden Visionen für zukünftiges Verstehen, Moderieren, Planen, Entwerfen, Gestalten und Entwickeln verbunden.

Weitere Informationen zur Tagung (Referenten, Programm etc.)
Anmeldeschluss: 15. August 2021, Anmeldeformular

Die Tagung findet im Rahmen des WIR!-Bündnisses Land-Innovation-Lausitz (LIL) im Verbundvorhaben „Welterbestudie: Lausitzer Tagebaufolgelandschaft als UNESCO Welterbe “ statt. Ausrichter der Tagung ist die Brandenburgische Technische Universität BTU Cottbus-Senftenberg, FG Planen in Industriefolgelandschaften in Kooperation mit dem Sorbischen Institut. Die Tagung wird gefördert vom Bundesministerium für Bildung und Forschung.

Dr. Hauke Bartels (re.), Direktor des Sorbischen Instituts/Serbski institut beim Pressegespräch in Dissen
© Serbski institut (2021)

19 Millionen Euro für sorbische/wendische Projekte - Sorbisches Institut setzt zwei der sechs geförderten Vorhaben um

(Dissen, 16. Juli 2021)

Auszüge aus der MWFK-Pressemitteilung vom 16. Juli 2021:

Aus Bundesmitteln für den Strukturwandel in Kohleregionen werden ab 2022 innerhalb von zehn Jahren insgesamt 19 Millionen Euro für sechs sorbische/wendische Projekte im Land Brandenburg bereitgestellt. Der Landesbeauftragte für Angelegenheiten der Sorben/Wenden, Wissenschafts- und Kulturstaatssekretär Tobias Dünow, hat heute gemeinsam mit Hauke Bartels, Direktor des Sorbischen Institutes, Pětr Brězan, Vorsitzender des Sorbischen Kulturtourismus e.V., Sabine Sieg, stellvertretende Direktorin der Stiftung für das sorbische Volk, sowie Frank Kossick, Projektmanager der Domowina Niederlausitz Projekt gGmbH, bei einem Pressegespräch im Heimatmuseum Dissen / Domowniski muzej Dešno (Landkreis Spree-Neiße / Wokrejs Sprjewja-Nysa) die geförderten Projekte präsentiert.

Hauke Bartels, Direktor des Sorbischen Instituts: „Mit der neuen Abteilung für Regionalentwicklung und Minderheitenschutz und dem Digitalen Lausitzatlas der sorbischen/wendischen Kultur können wir Forschungsprojekte, die sich mit dem Kulturerbe im weitesten Sinn beschäftigen, zusammenführen und systematisch fortsetzen. Die wissenschaftlichen Begleitstudien und Projektergebnisse des Sorbischen Instituts kommen der Region direkt zugute. Der Digitale Lausitzatlas, den ich mir perspektivisch auch gut als interaktive App vorstellen kann, soll nicht nur Wissen über Denkmäler, Bräuche und Feste sowie Persönlichkeiten des jeweiligen Ortes vermitteln, sondern auch über sorbisches Schrifttum, Geschichte, typische Eigennamen und andere sichtbare Elemente dieser besonderen Sprachlandschaft informieren – in Bild, Wort, Audio und vielleicht auch Video.“

Die einzelnen Vorhaben:

Sorbisches Institut I: Erweiterung um eine Abteilung für Regionalentwicklung und Minderheitenschutz – rund 6,2 Millionen Euro
Das Sorbische Institut ist die größte außeruniversitäre sozial- und kulturwissenschaftliche Forschungsstätte in der Lausitz. Ziel des geförderten Projekts ist der Aufbau zusätzlicher Kapazitäten für Forschung, Projektentwicklung und -umsetzung. Die neue Abteilung für ʻRegionalentwicklung und Minderheitenschutzʻ wird ein Kompetenzzentrum für Transformations- und Minderheitenforschung sowie Praxistransfer und Regionalforschung, Sozialanalyse sowie Wissensaufbereitung und -vermittlung betreiben.

Sorbisches Institut II: Digitales Portal zu sorbischen und Lausitzer Sprach- und Kulturlandschaften – rund 5,5 Millionen Euro
Das sprachliche und kulturelle Erbe der wendischen Sprach- und Kulturlandschaften wird digital gesichert, dokumentiert sowie sicht- und nutzbar gemacht. Davon profitieren die Kulturarbeit von Vereinen, die kulturelle Bildung, der Kulturtourismus sowie die Kultur- und Kreativwirtschaft. Dabei wird die Expertise aus laufenden Pilotvorhaben, etwa dem Projekt ʻDigitales Informationsportal zu sorbischen Sprachlandschaften – Konzeption und Erarbeitung eines Prototyps am Beispiel der Sprachlandschaft Schleifeʻ, genutzt.

Domowina Niederlausitz Projekt gGmbH I: Masterplan zur Revitalisierung der niedersorbischen Sprache – rund 3,8 Millionen Euro
Die Revitalisierung der niedersorbischen Sprache wird unterstützt. Dafür sind Maßnahmen auf sprach-, sozial- und kulturwissenschaftlicher Grundlage geplant, zum Beispiel die wissenschaftliche Bestandsaufnahme und die Formulierung eines Masterplans mit Handlungsansätzen für Staat, Zivilgesellschaft und Privatwirtschaft. Damit insbesondere Erwachsene Niedersorbisch effektiv erlernen können, werden innovative Methoden aus anderen Minderheiten-Regionen der Welt an Lausitzer Verhältnisse angepasst und erprobt. Ziele sind die Qualifizierung von Nachwuchskräften für wendischsprachige Berufe sowie die Reintegration der Sprache in familiäres Umfeld und regionalen Alltag. Nur so bleibt das zweisprachige Potenzial der Lausitz auch authentisch erhalten und nutzbar. Weitere Informationen: www.zorja.org

Domowina Niederlausitz Projekt gGmbH II: Inwertsetzung des immateriellen Kulturerbes im deutsch-slawischen Kontext – rund 2,7 Millionen Euro
Das Potenzial des sorbischen/wendischen materiellen und immateriellen Kulturerbes soll besser ausgeschöpft werden, um z.B. den Kulturtourismus als Wirtschaftsfaktor zu stärken. Dafür setzt die Domowina Niederlausitz Projekt gGmbH in Kooperation mit dem Sorbischen Institut und dem Arbeitskreis Lausitzer Museenland Projekte auf dem Gebiet der Dokumentation des immateriellen Kulturerbes und dessen kulturtouristischer Inwertsetzung um. Die Lausitzer Kultur- und Kreativwirtschaft wird einbezogen, um etwa mit Museen, Vereinen und Bildungsstätten neue Angebote zu entwickeln und das Sorbische/Wendische in Marketingstrategien einzubinden. Ziel ist es, ein breites Netzwerk für einen attraktiven Kulturtourismus in der Lausitz zu etablieren. Weitere Informationen: www.inwertsetzung-lausitz.de

Sorbischer Kulturtourismus e.V.: Modellprojekt zum Ausbau des Sorbischen Kulturtourismus – rund 420.000 Euro
Um die Arbeit des länderübergreifend tätigen Vereins Sorbischer Kulturtourismus e.V. in der Niederlausitz zu stärken, erhält dieser zehn Jahre lang eine Grundfinanzierung für den Aufbau tragfähiger Strukturen in Brandenburg. Der Verein wird insbesondere Anbieter*innen unterstützen, die im sorbischen/wendischen Raum bisher noch nicht aktiv waren, und dabei helfen, hochwertigere touristische Angebote zu entwickeln. Zu den geplanten Vorhaben zählt der qualitative und quantitative Ausbau der Themenradroute ‘Serbske impresije – Sorbische Impressionen‘. Weitere Informationen: www.tourismus-sorben.com

Stiftung für das sorbische Volk: Aufbau des sorbisch-deutschen Filmnetzwerkes ‘Łužycafilm‘ – rund 420.000 Euro
Es gibt viele filmreife Themen in der Lausitz: Das Mit- und Nebeneinander verschiedener Kulturen, Heimatverlust und Identität, wirtschaftlicher und ökologischer Wandel. Doch trotz kreativer Lausitzer Filmemacher*innen ist das regionale, insbesondere sorbische/wendische Filmschaffen national und international unterrepräsentiert. Um als Wirtschaftsregion zu bestehen, werden Image und Vermarktung immer wichtiger. Mit dem Aufbau des sorbisch-deutschen Filmnetzwerkes ‘Łužycafilm‘ wird der Aufbau einer leistungsstarken mittelständischen Filmwirtschaft in der Lausitz unterstützt. Weitere Informationen: http://luzyca-film.de

Hintergrund:
Die Mittel für die sechs geförderten, sorbischen/wendischen Projekte kommen aus Bundesmitteln für den Strukturwandel in Kohleregionen und werden vom Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat zur Verfügung gestellt. Im 2020 in Kraft getretenen Bundesinvestitionsgesetz Kohleregionen sind ‘Maßnahmen zur Förderung der Bewahrung und Fortentwicklung der Sprache, Kultur und Traditionen des sorbischen Volkes als nationaler Minderheit‘ festgeschrieben. Zuvor hatte das Brandenburger Kulturministerium mit sorbischen/wendischen Akteur*innen Konzepte zur Entwicklung sorbischer Strukturwandelprojekte entwickelt. Mit dem Bundesgesetz sollen in der Lausitz sowohl die Folgen des Ausstiegs aus der Kohleverstromung abgemildert als auch Kohleregionen hervorragende Zukunftschancen erhalten. Hierfür erhalten die Braunkohleregionen bis zum Jahr 2038 Finanzhilfen in Höhe von 14 Milliarden Euro – davon sollen 6 Milliarden Euro in die Lausitz fließen.
PDF der vollständigen Medieninformation des MWFK vom 16.7.2021 zum Download


Neue Ausgabe der Zeitschrift für sorbische Sprache, Geschichte und Kultur erschienen

(Bautzen, Juni 2021)
Anfang Juni ist im Domowina Verlag das erste Heft der diesjährigen Ausgabe des "Lětopis" erschienen. Die interdisziplinäre wissenschaftliche Zeitschrift für Sorabistik wird vom Sorbischen Institut herausgegeben. Das Themenspektrum des Hefts ist weit gespannt. Die sorbisch-tschechischen Beziehungen werden in zwei Artikeln behandelt: einmal zu den Lebenserinnerungen von Schülern der Nachkriegsgeneration, die in Nordböhmen eingerichtete sorbische Schulen besuchten, und dann zum Interesse an den Sorben in der nordböhmischen Provinz während der Zwischenkriegszeit. Aktuelle Themen betreffen die Sorben im Rahmen der kritischen Kartografie und des Verwaltungsverfahrens um das immaterielle Kulturerbe. Ein musikwissenschaftlicher Artikel bespricht die Vertonung eines südslawischen Volksliedes durch Karl Eduard Hering, den Lehrer von Korla Awgust Kocor. Einen Schwerpunkt des Hefts stellt der erste Jahresbericht des sorbischen Sprachmonitorings dar: Im Rahmen eines Kooperationsvertrags mit dem Domowina-Verlag wird das gesamte dort erschienene sorbische Schrifttums eines Jahres sprachwissenschaftlich untersucht. Hier werden die Ergebnisse zu Neologismen, sprachlicher Variation und weiteren Besonderheiten des Sprachgebrauchs dargestellt. (Autor: Thomas Menzel)
PDF zum Download (Titel und Inhaltsverzeichnis)

Neuerscheinung: Dimensionen kultureller Sicherheit bei ethnischen und sprachlichen Minderheiten

(Bautzen, 21.5.2021)

Am 10. Mai 2021 ist die englischsprachige Publikation Dimensions of Cultural Security for National and Linguistic Minorities im Peter Lang Verlag erschienen.


Eine PDF mit Cover, Einleitung, Inhaltsverezichnis und der Autorenliste: Dimensions of Cultural Security
Flyer zur Publikation

Von Mehrheiten und Minderheiten: Wie divers sind ländliche Räume?

(Bautzen, 7.5.2021)

Diese Frage stand am 6./7. Mai im Mittelpunkt der Jahrestagung des Arbeitskreises Ländliche Räume der Deutschen Gesellschaft für Geographie und des vorangehenden Nachwuchsworkshops. Insgesamt beteiligten sich 40 Wissenschaftler:innen verschiedenster Disziplinen (Schnittmenge der Geographie bzw. ihrer Teildisziplinen, insbesondere mit der Soziologie und den Kulturwissenschaften) von Universitäten und Forschungseinrichtungen aus ganz Deutschland und Tschechien an dem digitalen, interdisziplinären Treffen. Jahrestagung und Workshop hat das Sorbische Institut gemeinsam mit dem Thünen-Institut für Ländliche Räume (Braunschweig) organisiert. Beide Veranstaltungen widmeten sich in vergleichender Perspektive dem Verhältnis von Mehrheiten und Minderheiten in ländlichen Räumen. Marcel Langer und Fabian Jacobs vom Sorbischen Institut stellten die Lausitz/Łužica aus sorabistisch-kulturwissenschaftlicher und geographischer Perspektive vor. Ines Keller (ebenfalls Sorbisches Institut) sprach über Potenziale zivilgesellschaftlichen Engagements im ländlichen Raum – am Beispiel von Zeißig und Malschwitz. Im Jahr 2022 soll die Jahrestagung dann vor Ort in Bautzen stattfinden – das erste Mal in der Lausitz.

Programm der Fachtagung: http://ak-laendlicher-raum.de/images/WiebkeHiwi/AK_Laendliche_Raeume_Tagung_Bautzen_online2021_Programm.pdf
AK Ländliche Räume bei der Deutschen Gesellschaft für Geographie
Thünen-Institut für Ländliche Räume


Strukturwandel, Digitalisierung und demografischer Wandel: Aktionsplan für Niederlausitzer Museen und Heimatstuben vorgestellt

(Cottbus/Chóśebuz, 29.4.2021)

Heute stellten die Autoren Dr. Fabian Jacobs, Gregor Schneider (beide wissenschaftliche Mitarbeiter am Sorbischen Institut/Serbski institut), Dr. Lutz Laschewski und Daniel Häfner (beide Lausitzer Institut für strategische Beratung) im Rahmen eines Online-Pressegesprächs einen Aktionsplan für die Niederlausitzer Museen und Heimatstuben vor. Am Gespräch teilgenommen haben außerdem die am Prozess beteiligten Akteure (siehe Anhang im Aktionsplan).

Der Aktionsplan 2021 ist das Ergebnis eines Dialogprozesses im Jahr 2020 mit rund 50 Personen in drei ganztägigen Werkstätten und kleineren Gruppengesprächen. Vorausgegangen war eine Bestandsaufnahme durch Befragung von ca. 20 Niederlausitzer Museen und Heimatstuben. Die IST-Analyse wurde im Juni 2020 veröffentlicht, vgl. https://www.inwertsetzung-lausitz.de/ist-analyse-download/ .

"Der Aktionsplan lebt von den Erfahrungen und Ideen der beteiligten Akteure. Er fasst die beschriebenen Ziele, Barrieren und Herausforderungen zusammen und ordnet sie strategischen Handlungsfeldern zu. Wir danken allen Beteiligten und hoffen, dass sich die angestoßene Zusammenarbeit im Sinne eines nachhaltigen Inwertsetzens des sorbischen Kulturerbes fortsetzt", so Dr. Fabian Jacobs, Projektleiter und wissenschaftlicher Mitarbeiter am Sorbischen Institut.

Der Aktionsplan beschreibt zum einen strategische Handlungsfelder für Entscheider:innen in Politik und Förderstrukturen, zum anderen benennt er konkrete Maßnahmen, die von den Akteur:innen im Arbeitskreis Lausitzer Museenland unmittelbar selbst umgesetzt werden können.

Das Strategiepapier nimmt Niederlausitzer Museen und Heimatstuben als Träger und Vermittler von Regionalgeschichte und -kultur in den Blick. Qua Definition sind diese musealen, erinnerungskulturellen Einrichtungen insbesondere dem Bewahren und Konservieren sowie der Vermittlung historischer Entwicklungen verpflichtet. Sie sind aber auch mit den Megatrends der Digitalisierung, des Strukturwandels und des demografischen Wandels konfrontiert. Im Zuge des Strukturwandels bieten sich den Einrichtungen neue Möglichkeiten, da die sorbische/wendische Kultur ein Alleinstellungsmerkmal der Lausitz/Łužyca ist und etwa das Schaffen sowie der Ausbau kulturtouristischer Angebote gesellschaftlich gewünscht ist.

Erstellt wurde der Aktionsplan im Rahmen des durch Strukturhilfemittel geförderten Verbundvorhabens „Inwertsetzung immateriellen Kulturerbes im deutsch-slawischen Kontext“. Ziel des Gesamtvorhabens sind wissenschaftliche Bestandsaufnahmen des sorbischen/ wendischen immateriellen Kulturerbes der Niederlausitz und ein digitaler Zugang der Informationen. Die Entwicklung von kulturtouristischen Angeboten, ein stärkeres und erweitertes "Lausitzer Museenland" sowie die Erarbeitung konkreter Inwertsetzungsstrategien sind weitere Projektziele, die gemeinsam mit den Partnern, dem Heimatmuseum Dissen/Dešno und der Domowina Niederlausitz Projekt gGmbH verfolgt werden.

Gefördert wird das Vorhaben durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, unterstützt wird es durch das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur. https://www.inwertsetzung-lausitz.de

Anlagen: Aktionsplan 2021 (IKE)

Eindruck der Wanderausstellung "Die Freiheit winkt!", die bis Ende Mai im Sorbischen Museum aufgestellt ist © Sorbisches Institut/Serbski institut, 2021

Wanderausstellung präsentiert: Die Freiheit winkt! Die Sorben und die Minderheitenfrage nach 1918

(Bautzen, 20.4.2021)

Neue Wanderausstellung des Sorbischen Instituts online präsentiert – Nach Premiere im Sorbischen Museum steht sie interessierten Institutionen zur Ausleihe zur Verfügung


Die neue Wanderausstellung des Sorbischen Instituts mit dem Titel "Die Freiheit winkt! Die Sorben und die Minderheitenfrage nach 1918" ist im Sorbischen Museum aufgebaut und kann besichtigt werden, sobald die Museen wieder öffnen. Heute wurde sie online präsentiert. Für die Ausstellung haben die Wissenschaftler:innen in rund 40 Archiven recherchiert, von Washington D.C. bis Prag. Aus dem reichen Fundus wurden zahlreiche bisher kaum bekannte Dokumente und Bilder, unter anderem aus dem Archivverbund Bautzen, dem Sorbischen Museum und dem Sorbischen Kulturarchiv, für die Präsentation ausgewählt; darunter Flugblätter, Fotografien, Karikaturen und politische Plakate. Bis 28. Mai 2021 ist die Ausstellung im Sorbischen Museum in Bautzen zu sehen, im Anschluss geht sie auf Wanderschaft durch die Lausitz, Sachsen und Brandenburg sowie Tschechien und Polen.

"‚Die Freiheit winkt!’, hieß es Anfang 1919 hoffnungsvoll unter den Sorben. Nach dem 1. Weltkrieg, nachdem die alte Ordnung in Deutschland und Europa zusammengebrochen war, schien eine selbstbestimmte Zukunft für die Sorben möglich. Die damals aufgeworfenen Fragen nach kultureller Autonomie, nach Interessenausgleich zwischen Sorben und Deutschen sowie nach grenzüberschreitender Verständigung sind Fragen, die uns bis heute beschäftigen und die es auch immer wieder neu zu stellen gilt", sagt Dr. Friedrich Pollack, Leiter der Abteilung Kulturwissenschaften am Sorbischen Institut.

Die Ausstellung wurde von Dr. Friedrich Pollack und Dr. Jana Piňosová, Historiker:innen am Sorbischen Institut in Bautzen, in Zusammenarbeit mit der Geschichtsagentur Culture and more aus Berlin erarbeitet. Produziert wurde sie von der Agentur Hinz & Kunst aus Braunschweig.

Die 15 Ausstellungstafeln sind durchgängig zweisprachig (Deutsch, Obersorbisch). Ergänzt werden sie durch gedruckte Guides auf Niedersorbisch, Tschechisch, Polnisch und Englisch.

Das Projekt wurde gefördert durch das Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur des Landes Brandenburg, die Sächsische Staatsregierung, den Deutsch-Tschechischen Zukunftsfonds/ Česko-německý fond budoucnosti sowie die Stiftung für das sorbische Volk, die jährlich auf der Grundlage der beschlossenen Haushalte des Deutschen Bundestages, des Landtages Brandenburg und des Sächsischen Landtages Zuwendungen aus Steuermitteln erhält.

Anlagen: Thematische Gliederung der Ausstellung, Leihgeber und weitere Archive und Bibliotheken
Medieninformation vom 20.4.2021 zum Download (als PDF-Datei)

Niedersorbische Rechtschreibkontrolle erweitert

(Cottbus, 5.3.2021)

Die aktuelle Version der niedersorbischen Rechtschreibkontrolle wurde um rund 3.200 Wörter und etwa 77.400 dazugehörige Wortformen erweitert. Der Wortschatz wurde im Rahmen des Monitorings des niedersorbischen Schrifttums 2019 bearbeitet, enthält aber auch bisher nicht enthaltene Fachtermini. Dabei handelt es sich um Wörter aus den von der Arbeitsstelle für sorbische/wendische Bildungsentwicklung bzw. vom Sprachzentrum WITAJ herausgegebenen Fachterminologien (für die Fächer: Computer und Internet 2004, Ethik-Religionskunde 2014, Zeichnen 2009, Musik 2006, Sachkunde 2011, Sport 2003, Geschichte 2010). Damit sind dort insgesamt über 90.000 Wörter mit über 3,7 Millionen Wortformen verzeichnet. Die Datenbasis des Moduls wird auch künftig beständig erweitert.

Die Entwicklung der aktuellen Version wurde gefördert durch die Stiftung für das sorbische Volk, die jährlich auf der Grundlage der von den Abgeordneten des Deutschen Bundestages, des Landtages Brandenburg und des Sächsischen Landtages beschlossenen Haushalte Zuwendungen aus Steuermitteln erhält.

Erstes sorbisches Schulbuch, die Chronik von Wittichenau und Handschriften sorbischer Studenten digitalisiert – Nun über 1.600 Dokumente zugänglich

(Bautzen, 12.3.2021)

Seit Ende Februar sind unter https://sachsen.digital/ weitere digitalisierte sorbische Dokumente verfügbar. Es handelt sich dabei um 19 Bände und insgesamt 10.600 handschriftliche Seiten aus der Feder der Mitglieder des Studentenvereins "Serbowka" in Prag, die in den Jahren zwischen 1892 und 1925 entstanden sind. Darüber hinaus wurden 40 weitere historische Drucke des sorbischen Schrifttums zugänglich gemacht, darunter mehrere Kostbarkeiten aus dem 17. Jahrhundert. Digitalisiert wurden die "Serbowka"-Bände und historischen Drucke im Rahmen des Sächsischen Landesdigitalisierungsprogramms, an dem sich das Sorbische Institut seit dem Jahr 2019 beteiligt.

Eine solche Kostbarkeit ist "Ta mała Biblja" von Jan Hübner aus dem Jahre 1733 (Löbau, Verl. Reimers), vgl. https://bit.ly/30yR36D (Direktlink zum Digitalisat). Mit Unterstützung des Sorbischen Museums, das sein Exemplar der Bibel zur Verfügung stellte, konnten fehlende Seiten ergänzt werden, sodass das Digitalisat vollständig ist.

Schwerpunkt bei den frühen Drucken ist die religiöse Literatur. Das spiegelt sich auch in den Digitalisaten wider (vgl. angehängte Titelliste). Ein wertvolles Fundstück aus der weltlichen Fachliteratur sind die "Horne Lużicżke ßerßke Schul-Knischki" aus dem Jahre 1778 (hier in 2. Auflage, Erstauflage: 1770). Dies ist sozusagen das erste sorbische Schulbuch mit dem breiten Wissen der damaligen Zeit: Lesen, Rechnen, das damalige Geldsystem, Kirchengeschichte, Erdkunde a das korrekte Verhalten im Alltag. Verwiesen sei auch auf die "Khrónika Kulowa" aus dem Jahre 1878.

"Serbowka"-Bände: Ein Jahresband enthält jeweils die Tagebücher, eine Sammlung literarischer, geschichtswissenschaftlicher, sprachwissenschaftlicher und volkskundlicher Beiträge der Mitglieder, zusammengefasst in der Reihe "Kwětki" , sowie die Korrespondenz der Studenten. Die Originale der digitalisierten Bände lagern im Sorbischen Kulturarchiv beim Sorbischen Institut und beschreiben etwa ein Drittel aller Bände. Die anderen zwei Drittel befinden sich im Bestand der Hórnik-Bibliothek im Wendischen Seminar in Prag. Autoren der Bände sind überwiegend Theologie-Studenten, darunter Nicolaus Andritzki, Nicolaus Dornick und Johann Ziesch.

Damit sind im Portal sachsen.digital insgesamt 1.634 Dokumente (Handschriften, historische Drucke, Zeitschriften und weitere Bände) aus den Sammlungen des Sorbischen Instituts zugänglich.

"Dass wir nun einen Teil des "Serbowka"-Nachlasses und wertvolle historische Drucke im Zuge des Sächsischen Landesdigitalisierungsprogramms zugänglich gemacht haben, ist ein weiterer wichtiger Schritt für die allgemeine Verfügbarkeit und Bewahrung des sorbischen kulturellen Erbes. Ich möchte auf diesem Wege insbesondere der SLUB für die Möglichkeit und die produktive Zusammenarbeit danken", so Wito Böhmak, Leiter der Sorbischen Zentralbibliothek und des Sorbischen Kulturarchivs am Sorbischen Institut in Bautzen.

Medieninformation vom 12.3.2021 zum Download (als PDF-Datei)

27.-29. Mai 2021: Jungakademisches Netzwerktreffen sorabistischer Forschung im online-Format

(Bautzen, 23.2.2021)

Das Sorbische Institut lädt junge Wissenschaftler:innen zum dritten Mal zum „Netzwerken“ ein. Im Mittelpunkt des Treffens stehen der interdisziplinäre Austausch und die Vernetzung von Forschenden, die sich regional- oder themenspezifisch mit Sorben/Wenden befassen oder dies vorhaben.

Aufgrund der Corona-Pandemie und den damit einhergehenden Beschränkungen findet das Netzwerken in diesem Jahr digital statt. Sollten es die allgemeinen Bedingungen zulassen, wird eine hybride Form angestrebt.

Drei aufeinander folgende Tage bieten den Teilnehmenden ein Forum, eigene Forschungsvorhaben zu präsentieren und zu diskutieren. Dabei sind fachspezifische Beiträge z.B. aus der Linguistik, der Kulturwissenschaft oder der Geschichtswissenschaft ebenso willkommen wie transdisziplinäre Projekte aus der vergleichenden Minderheitenforschung oder den Digital Humanities. Wer sein Forschungsvorhaben (z.B. Bachelor-, Master-, Magister- oder Doktorarbeit, Post-Doc-Projekt) vorstellen möchte, sollte eine Projektskizze (max. eine A4-Seite) zusammen mit einer Kurz-Vita (inkl. Fachrichtung, Wirkungsort und derzeitige Arbeitsschwerpunkte) einreichen.

Außerdem soll das Treffen wieder dazu dienen, das sorabistische Netzwerkverständnis zu reflektieren. Es soll weiter über Bedingungen und Perspektiven interdisziplinärer Zusammenarbeit nachgedacht werden. Themenvorschläge für Diskussionskreise sind erwünscht!

Die Arbeitssprachen sind Ober- und Niedersorbisch, Deutsch und Englisch.

Ablauf:
Folgende digitale Zeitslots stehen zur Verfügung: 27.-29. Mai 2021 jeweils zwischen 11-16 Uhr. Für eine Projektvorstellung sind maximal 30 Minuten inkl. Diskussion vorgesehen. Nähere Abstimmungen bezüglich der inhaltlichen Gestaltung und Moderation einzelner Panels erfolgen nach Anmeldeschluss und werden von Mitarbeiter:innen des Sorbischen Instituts gemeinsam mit den Interessent:innen des Netzwerks übernommen. Die Teilnahme ist kostenlos. Eventuelle Fahrtkosten können nicht erstattet werden.

Kontakt und Anmeldung:
Interessent:innen melden sich bitte bis spätestens 18. April 2021 per E-Mail bei:
Ankündigung des Netzwerktreffens vom 23.2.2021 zum Download (als PDF-Datei)


140 historische Dokumente beim Online-Wettbewerb entziffert

(Bautzen/Dresden, 20.2.2021)

Gewinner des Transcribathons am 18./19.2. ist Benjamin Spendrin, Student der Geschichte an der TU Darmstadt, der binnen 24 Stunden ganze 37 Dokumente aus Lausitzer Archiven transkribierte und mit Orts- und Personenangaben versah. Insgesamt wurden 140 Dokumente, zum Beispiel Briefe, Aktenblätter und Seiten aus Geschäftsbüchern, bearbeitet. Das entspricht genau 116.796 transkribierten Zeichen. Die vier Lausitzer Quellen, die das Staatsfilialarchiv Bautzen und Stadtarchiv Kamenz unkompliziert bereitstellten, wurden fast vollständig transkribiert.

Einen eher symbolischen Charakter haben die Buchpreise für die Erstplatzierten der außergewöhnlichen Citizen-Science-Aktion (Wissenschaft für und mit Bürger:innen), an der 15 Personen aktiv teilnahmen. Stille Beobachter gab es deutlich mehr. Die Teilnehmer:innen teilen das Interesse an alten Handschriften und ihre Freude am Transkribieren – vom Studierenden bis zum Ruheständler. Überraschenderweise spielte der regionale und thematisch-inhaltliche Bezug keine entscheidende Rolle bei der Entscheidung, mitzumachen. In der abschließenden Feedbackrunde gab es durchweg positive Reaktionen. Die meisten empfanden die gemeinsame Arbeit als sehr motivierend, ebenso die sofortige Sichtbarkeit des Fortschrittes und das Wissen, dass die Dokumente dauerhaft zugänglich bleiben.

Dr. Friedrich Pollack, Abteilungsleiter Kulturwissenschaften am Sorbischen Institut und selbst Teilnehmer, zeigt sich sehr zufrieden: „Die Veranstaltung hat gezeigt, wozu Schwarmintelligenz im Stande ist. Das hat sehr großes Potenzial für die geschichts- und kulturwissenschaftliche Arbeit am Sorbischen Institut. Wir überlegen schon, wie wir solche Mitmach-Events in Zukunft vielleicht öfter anbieten können. An interessanten Dokumenten mangelt es in der sorbischen und Lausitzer Geschichte zweifelsfrei nicht.“


Martin Munke, SLUB-Referatsleiter: "Besonders spannend war die Zusammensetzung der Gruppe aus privat und beruflich Interessierten, aus Familienforscher:innen und Wissenschaftler:innen. Das ist genau das, was wir mit Citizen Science erreichen wollen: die Welten der ehrenamtlichen und der professionellen Auseinandersetzung mit wissenschaftlich relevanten Themen zusammenzubringen."

Am 18./19.2. konnten Interessierte in den virtuellen Räumen des Sorbischen Instituts und der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek Lausitzer Industriegeschichte auf ganz ungewöhnliche Art entdecken – beim 24-stündigen Transcribathon „Sachsen at Work“. Bei dem Transkribier-Wettbewerb, einem europäischen Crowdsourcing-Projekt, entschlüsselten die Teilnehmer:innen historische Handschriften und übertrugen sie in eine maschinenlesbare Form. Danach verbleiben die Dokumente dauerhaft in der zentralen virtuellen Bibliothek für Geschichte und Kultur Europas europeana.eu verfügbar. Interessierte können auch nach dem Wettbewerb weitertranskribieren und einen wertvollen Beitrag zur Aufarbeitung regionaler Geschichte leisten.

Das vom Institut "Facts & Files" organisierte Mitmach-Event ist ein gemeinsames Projekt mit der Europeana und der 4. Sächsischen Landesausstellung "500 Jahre Industriekultur in Sachsen". Die SLUB Dresden und das Sorbische Institut sind Veranstalter und Projektpartner.

Weitere Infos und Präsentation der Ergebnisliste: https://europeana.transcribathon.eu/runs/sachsen-at-work/saw-2021/
Medieninformation zum Transcribathon vom 20.2.2021 zum Download (als PDF-Datei)


Lausitzer Industriegeschichte entdecken – auf ganz ungewöhnliche Art! 24-Stunden-Transcribathon "Sachsen at Work. Digitale Industriekultur"

(Bautzen/Dresden, 12.2.2021)

Jetzt anmelden zum Transcribathon „Sachsen at Work“ am 18./19.2. in den virtuellen Räumen des Sorbischen Instituts und der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek. Bei dem virtuellen Wettbewerb im Transkribieren entschlüsseln die Teilnehmer:innen historische Handschriften, unter anderem aus Kamenz und Bautzen, und übertragen sie in eine maschinenlesbare Form. Der Transcribathon ist eine schöne Gelegenheit, sich von zu Hause aus mit der vielfältigen Industriegeschichte Sachsens und der Oberlausitz zu beschäftigen.

Dr. Friedrich Pollack, Abteilungsleiter Kulturwissenschaften am Sorbischen Institut: „Interessierte können trotz geschlossener Museen in spannenden historischen Dokumenten blättern. Und sie können sprichwörtlich an der Geschichte Sachsens und der Oberlausitz mitschreiben.“

Der Wettbewerb im Transkribieren dauert genau 24 Stunden. Mitmachen kann jeder mit historischem Interesse und Spaß am Entziffern von alter deutscher Schrift.

Bei dem europäischen Crowdsourcing-Projekt beschreiben, transkribieren und annotieren (mit weiteren Informationen anreichern) Geschichtsinteressierte historische Dokumente, die anschließend auf dem Portal europeana.eu, der zentralen virtuellen Bibliothek für Geschichte und Kultur Europas, präsentiert werden.

Das vom Institut "Facts & Files" organisierte Mitmach-Event ist ein gemeinsames Projekt mit der Europeana und der 4. Sächsischen Landesausstellung "500 Jahre Industriekultur in Sachsen". Auch die SLUB Dresden ist Projektpartner.

Nützliche Links:
www.slubdd.de/sachsenatwork - Anmeldung
https://europeana.transcribathon.eu/runs/sachsen-at-work/anleitung-transcribathon/ - Anleitung und Beschreibung zum Transkribieren und richtigen Verschlagworten
Medieninformation zum Transcribathon vom 12.2.2021 zum Download (als PDF-Datei)


Neu auf dem niedersorbischen Namensportal: 2.500 Familiennamen und 100 Vornamen

(Cottbus, 04.02.2021)

Ab sofort kann auf dem niedersorbischen Sprachenportal, konkret im Namensservice unter niedersorbisch.de/mjenja nach rund 2.500 Familiennamen und über 100 Vornamen (jeweils der Grundform) gesucht werden. Dafür haben die Sprachwissenschaftler:innen der niedersorbischen Zweigstelle des Sorbischen Instituts in Cottbus im vergangenen Jahr die aufgeführten niedersorbischen Eigennamen aus den unterschiedlichen Quellen geordnet, aufbereitet sowie den Bestand ergänzt und um weitere Informationen angereichert.

Vorgestellt werden außer der Hauptform des Namens, die traditionell für männliche Namensträger verwendet wird (z.B. "Witka"), die Namensform für Frauen ("Witcyna"), die Form für die Familie als Ganzes ("Witcyc"), die abgeleitete Possessivform ("Witcyny") und gegebenenfalls irregulär gebildete Formen ("Witkojc"). Aufgeführt werden außerdem mögliche deutsche Äquivalente, gegebenenfalls bekannte Namensträger:innen und immer auch Informationen darüber, in welchen als Quellen genutzten Wörterbüchern und Lexika der jeweilige Name bereits verzeichnet ist.

Die Klassifikation und Zuordnung der Vornamen ist häufig nicht eindeutig. Es ist sogar schwierig, eine Grenzlinie zu ziehen, ab welcher beispielsweise eine verkürzte oder deminutive Form beginnt als eigenständiger Name zu funktionieren. Ein Beispiel ist der Vorname Měto. Er kann als Kurzform des Namens Mjertyn interpretiert werden, wird aber auch direkt als Vorname verwendet.

Je nach Ressourcen wird das Portal um weitere Familien- und Ortsnamen ergänzt sowie um weitere Namenstypen. Geplant ist auch das Portal mit Angaben zur Herkunft und Bedeutung der Namen (etymologische Erklärungen) zu erweitern.

Das Vorhaben wurde gefördert durch die Stiftung für das sorbische Volk, die jährlich auf der Grundlage der beschlossenen Haushalte des Deutschen Bundestages, des Landtages Brandenburg und des Sächsischen Landtages Zuwendungen aus Steuermitteln erhält.

Weitere Informationen zum Namensportal:
Im März 2020 wurde das Portal unter niedersorbisch.de mit den Siedlungsnamen des sorbischen Siedlungsgebiets in Brandenburg vorgestellt, vgl. Medieninformation vom 21.03.2020 . Im zweiten Schritt wurden die Namen weiterer brandenburgischer Siedlungen außerhalb des Siedlungsgebiets ergänzt. Damit sind aktuell Informationen zu über 1.000 Siedlungen bzw. Verwaltungseinheiten veröffentlicht. Nun wurde die Seite um Familien- und Vornamen erweitert.

Über 9.300 neue Wörter und verbesserte Rechtschreibkontrolle im beliebten digitalen obersorbisch-deutschen Wörterbuch

(Bautzen, 22.01.2021)

Eine erweiterte und verbesserte obersorbische automatische Rechtschreibkontrolle für Office-Anwendungen gibt es seit Kurzem auf der Webseite www.soblex.de , die umfangreiche Sprachressourcen zum Obersorbischen anbietet und deren sprachwissenschaftliche Bearbeitung im Sorbischen Institut realisiert wird. Integriert wurde bisher nicht registrierte Lexik aus dem Deutsch-obersorbischen Wörterbuch (DOW 1989/1991) – es handelt sich um über 9.300 zusätzliche sorbische Wörter mit mehr als 332.000 zugehörigen Wortformen. Für jedes Wort lassen sich, wie auf soblex üblich, auch alle Flexionsformen in Tabellenform abrufen. Die neu integrierten Wörter aus dem DOW erkennt der Nutzer über den Quellennachweis am Ende des Eintrags, z.B. wenn man hłowułamanje sucht. Die Erweiterung ist das Ergebnis eines Projekts, das im Rahmen des Programms "Sorbisch in den neuen digitalen Medien" gefördert wurde durch die Stiftung für das sorbische Volk (weitere Informationen zum Projekt ).
Gleichzeitig wurde ein weiterer Schritt der Verflechtung der Sprachressourcen auf soblex mit denen auf dem Sprachportal des Sorbischen Instituts www.hornjoserbsce.de realisiert. Durch die Integrierung der deutschen Stichwörter in die Datenbasis bietet nun auch soblex einen direkten Zugang zur Online-Version des Deutsch-obersorbischen Wörterbuchs (1989/1991), die im Dezember auf hornjoserbsce.de veröffentlicht wurde. Zudem sind die neu aufgenommenen sorbischen Wörter mit ihren Einträgen unter www.hornjoserbsce.de/dow verlinkt.
Fachlicher Ansprechpartner: Dr. Sonja Wölke, sonja.woelkowa@serbski-institut.de


Der neue Newsletter ist erschienen - Wokolnik 2/2020

(Bautzen, 18.12.2020)

In der aktuellen Ausgabe (18.12.2020) des Wokolnik, des dreisprachigen Newsletters des Sorbischen Instituts, sind folgende Beiträge veröffentlicht (eine Auswahl):

- Neues auf dem Sprachportal hornjoserbsce.de : Deutsch-obersorbisches Wörterbuch
- Einer der ältesten obersorbischen Drucke digitalisiert: Der Kleine Katechismus von Warichius aus dem Jahr 1597
- #lausitzstark: Mit der Entwicklungsstrategie Lausitz 2050 liegt Masterplan für den Strukturwandel vor
- Zusammenarbeit mit der TU Dresden intensiviert
- Rückblicke auf: die Onlinetagung zu "Bildarchiven" mit überraschendem Fund, auf das kulturwissenschaftliche Forum, das sich mit der Bergbausanierung im Lausitzer Revier beschäftigte und auf die Jahrestagung der slawistischen Kommission für Sprachkontakte

Für ein interessantes Mitmachformat – den Transcribathon "Sachsen at Work. Digitale Industriekultur" – werden noch Interessentinnen und Interessenten sowie Zeitzeugnisse gesucht.

Wie immer informiert der Newsletter über personelle Veränderungen, Termine, neue Publikationen (z.B. eine Kurzbeschreibung der Beiträge des Lětopis 2/2020) und neue Webseiten. Er verweist auf zwei neue Beiträge im Wissenschaftsblog: einmal über ein sorbisches „In dulci jubilo“ und ein zweiter Blog-Beitrag beschäftigt sich mit der Fotodokumentation von Lotar Balke.

Der dreisprachige (Nieder- und Obersorbisch, Deutsch) Newsletter Wokolnik des Sorbischen Instituts erscheint zwei- bis dreimal im Jahr.

Anmeldung zum Wokolnik unter https://www.serbski-institut.de/de/Newsletter/ . Folgen Sie dem Sorbischen Institut auch auf Twitter https://twitter.com/serbskiinstitut @serbskiinstitut .
Download des Wokolnik als einfache PDF-Version (18.02.2020)

portret Trudle Malinkoweje © Serbski institut (2015)

Neues auf dem Sprachportal hornjoserbsce.de: digitales Deutsch-obersorbisches Wörterbuch

(Bautzen, 18.12.2020)

Das obersorbische Sprachportal des Sorbischen Instituts hat im Dezember Zuwachs bekommen: Neben den Beiträgen der Rubrik "Rěčny kućik", die auch in diesem Jahr um die Texte aus dem Vorjahr erweitert wurden, gibt es als neues Angebot das DOW-digital . Dies ist eine online verfügbare digitale Version des zweibändigen Deutsch-obersorbischen Wörterbuchs von Helmut Jentsch, Siegfried Michalk und Irena Šěrak, das im Institut für sorbische Volksforschung, dem Vorgänger unseres Instituts, entwickelt wurde.
Das Wörterbuch enthält fast 36.500 Artikel, in denen die sorbischen Äquivalente für mehr als 66.000 deutsche Stichwörter enthalten sind. Es widerspiegelt den schriftsprachlichen obersorbischen Wortschatz der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ist optimiert für die Suche in deutsch-obersorbische Richtung – bisher war es jedoch nicht in zuverlässiger Qualität online zugänglich. Die jetzt veröffentlichte Sprachressource DOW-online stellt einen Zwischenstand der Modellierung der Wörterbuchstruktur dar. Die Arbeit wird fortgesetzt, eine erweiterte Version ist für 2021 geplant.
Das digitale Deutsch-obersorbische Wörterbuch soll eng verflochten werden mit den Sprachressourcen auf der Seite soblex.de , deren linguistische Bearbeitung den Sprachwissenschaftlern des Sorbischen Instituts obliegt. Schon jetzt können zu allen sorbischen Wortformen im DOW-online, die in der Datenbank der Seite soblex enthalten sind, mittels Link die entsprechenden Einträge auf soblex abgerufen werden und damit auch die Informationen zu ihrer Flexion. Anfang 2021 ist eine neue, um bisher nicht erfasste Lexik aus dem retrodigitalisierten DOW erweiterte Version der Ressourcen auf der Seite soblex.de geplant. Gleichzeitig wird dann auch der Zugang zu den deutschen Wörtern dieses Wörterbuchs in umgekehrter Richtung, von der Seite soblex.de möglich sein.
PDF-Download der Information


Zapust, Kokot und Co. – Welche Bräuche und Feste werden wie gefeiert?

(Bautzen/ 18.12.2020)
Aufruf zur Teilnahme an Fragebogen-Aktion im Landkreis Spree-Neiße / Wokrejs Sprjewja-Nysa

Im Rahmen des Niederlausitzer Strukturwandel-Projektes “Inwertsetzung des Immateriellen Kulturerbes im deutsch-slawischen Kontext“ erfolgt unter anderem eine Bestandsaufnahme zu den sorbischen/wendischen Bräuchen und Festen, die seit 2014 auf der bundesweiten Liste des Immateriellen Kulturerbes verzeichnet sind. Ziel ist hier eine flächendeckende Erhebung und Dokumentation im Landkreis Spree -Neiße/Wokrejs Sprjewja-Nysa. Dafür brauchen wir Ihre Unterstützung! Gern können Sie bei der Projektbearbeiterin Stephanie Bierholdt vom Sorbischen Institut einen oder mehrere Fragebögen anfordern, die sie als Ausdruck oder digital zugeschickt bekommen. Es stehen auch Online-Fragebögen zur Verfügung. Bitte wenden Sie sich dazu per Mail an stephanie.bierholdt@serbski-institut.de oder rufen Sie an unter 03577 37200. Für das Ausfüllen gibt es eine Aufwandsentschädigung.

Weitere Informationen zum Gesamtprojekt und weiteren Teilprojekten unter https://www.inwertsetzung-lausitz.de/ sowie zum beschriebenen Teilprojekt unter http://bit.ly/3813zz9 .

Ziel des Gesamtvorhabens "Inwertsetzung des immateriellen Kulturerbes im deutsch-slawischen Kontext" ist eine wissenschaftliche Bestandsaufnahme des sorbischen/ wendischen immateriellen Kulturerbes der Niederlausitz und ein digitaler Zugang der Informationen. Die Entwicklung von kulturtouristischen Angeboten, ein stärkeres und erweitertes "Lausitzer Museenland" sowie die Erarbeitung konkreter Inwertsetzungs-strategien sind weitere Projektziele, die gemeinsam mit den Partnern, dem Heimatmuseum Dissen/Dešno und der Domowina Niederlausitz Projekt gGmbH verfolgt werden. Gefördert wird das Vorhaben durch die Beauftragte der Bundesregierung für Kultur und Medien, unterstützt wird es durch das Brandenburgische Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Kultur.

Letzte umfangreichere wissenschaftliche Forschungen zu Bräuchen und Festen der Sorben/Wenden fanden in den 1980er Jahren statt. Sie bildeten die Grundlage der Bewerbung der Domowina um den Eintrag ins bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes. Um dieses sorbische/wendische immaterielle Kulturerbe jedoch im Kontext der lokalen Akteurinnen und Akteure der musealen Einrichtungen und des Kulturtourismus nachhaltig in Wert zu setzen, bedarf es einer aktualisierten und systematischen Erhebung und Dokumentation, die an die Vorarbeiten anknüpfen kann.

Gemäß der bundesweiten Liste des Immateriellen Kulturerbes liegt der Fokus auf diesen Bräuchen und Festen im Jahreslauf:Neujährchen, Woklapnica, Vogelhochzeit, Zampern, Zapust, Ostereier, Waleien, Ostersingen, Osterfeuer, Osterwasser, Osterreiten, Hexenbrennen, Maibaum, Johannisreiten, Hahnschlagen, Hahnrupfen, Stollenreiten, Ringreiten, Kirmes, Spinte, Martinssingen, Heiliger Nikolaus, Christkind
Medieninformation vom 18.12.2020 als PDF

portret Trudle Malinkoweje © Serbski institut (2015)

Verdienstvolle wissenschaftliche Mitarbeitern hat 1.800 Denkmäler erschlossen | Nun verabschiedet sich Trudla Malinkowa nach über 20 Jahren in den Ruhestand

(Bautzen, 30.11.2020)

Trudla Malinkowa hat in den Jahren von 1992 bis 1995 und von 2000 bis 2020 im Sorbischen Institut in Bautzen als wissenschaftliche Mitarbeitern in der Abteilung Kulturwissenschaften gearbeitet. Am Montag (30. November) hat sie sich nun nach über 20 Jahren in der Forschung in den Ruhestand verabschiedet. Sie hinterlässt dem Institut zahlreiche Publikationen – auch im Ausland prämierte sind darunter – und einen gewaltigen Fundus an Material für weitere Forschungen auf dem Gebiet der Erschließung des sorbischen kulturellen Erbes.

"Neben ihrer vielfältigen Arbeit als Publizistin hat Trudla Malinkowa am Sorbischen Institut vor allem zwei Themen bearbeitet: zunächst die sorbische Auswanderung nach Übersee und seit 2000 dann die systematische Erfassung von materiellen Zeugnissen sorbischer Kulturgeschichte. Ihr langjähriges Vorhaben "Großes Inventar sorbischer Kulturdenkmale“ hat enorm viele Informationen zusammengetragen, viel mehr, als in ihrem neusten Buch enthalten sind. Wir werden diese wertvolle Arbeit weiterführen, vor allem ist ein digitaler Denkmalatlas in Planung, in den Trudla Malinkowas Arbeit einfließen wird. So bleibt sie weiter am Sorbischen Institut präsent", mit diesen Worten verabschiedete Institutsdirektor Dr. Hauke Bartels die langjährige wissenschaftliche Mitarbeiterin Trudla Malinkowa.

Sie hat dem Sorbischen Institut einen Bestand von 1.800 erschlossenen Denkmälern hinterlassen - das sind 36 Aktenordner. Dabei handelt es sich um Denkmäler der sorbischen Kulturgeschichte im weitesten Sinn: vom (Grab-)Stein oder Skulptur, über Inschriften auf Häusern, bis hin zu erhaltenen Tüchern. In der Publikation Serbske pomniki (sorbische Denkmäler) sind über 200 solcher Zeugnisse beschrieben.

Dr. Friedrich Pollack, Leiter der Abteilung Kulturwissenschaften: "Die systematische Erfassung sorbischer Kulturdenkmale in einem so weiten Umfang ist ein gewichtiges Ergebnis der sorabistischen Grundlagenforschung. Solche Vorhaben sind langfristig angelegt und sie wirken langfristig, weil sie unverzichtbare Grundlagen für eine Vielzahl weiterer Forschungsprojekte legen. Trudla Malinkowa hat sich dieser wichtigen Aufgabe in den vergangenen Jahrzehnten mit großem Engagement, hohem Sachverstand und der nötigen Ausdauer gewidmet. Die weitere kulturhistorische Forschung wird von dieser Arbeit noch lange zehren."

Mehr zur Person:
  • die Profilseite von Trudla Malinkowa auf der Homepage des Instituts, inkl. Publikationsverzeichnis und Mitgliedschaften
  • Interview mit Alfons Wićaz in der sorbischen Abendzeitung Serbske nowiny, veröffentlicht in der Freitagsbeilage Wuměłstwo a wjace (Kunst und mehr), Seite 2, 20.11.2020, vgl. PDF-Datei (Sorbisch)
    • ‎ein Porträt im Sorbischen Rundfunk (MDR), ausgestrahlt am 15.11.2020, Autorin: Monika Gerdes, vgl. Audio unter www.mdr.de (Sorbisch)
    • ‎Edmund Pech. "Trudla Malinkowa zum 65. Geburtstag". LĚTOPIS. Zeitschrift für sorbische Sprache, Geschichte und Kultur. Časopis za rěč, stawizny a kulturu Łužiskich Serbow 1:143-146. Žórło: www.ceeol.com/search/article-detail?id=852513 (open access, registracija trěbna)

    Arbeitsplan für das Jahr 2021 verabschiedet | Wissenschaftlicher Beirat zeigt sich sehr zufrieden

    (Bautzen, 27.11.2020)

    Auf seiner regulären Sitzung am 26. November hat das Kuratorium den Arbeitsplan (mit konkreten Forschungsprojekten und weiteren Vorhaben) des Sorbischen Instituts für das Jahr 2021 genehmigt, nach Beratung im Wissenschaftlichen Beirat. Der Wissenschaftliche Beirat kam – dieses Jahr virtuell – bereits am 25. November mit dem Institut zusammen und kündigte eine reguläre Evaluation für das Jahr 2021 an. Prof. em. Roland Marti von der Universität des Saarlandes wurde zum neuen Vorsitzenden des Beirats gewählt. Seine Stellvertreterin ist Prof. Silke Göttsch-Elten von der Universität Kiel.

    Neue Mitglieder im Wissenschaftlichen Beirat sind: Prof. Andreas Rutz, Inhaber des Lehrstuhls für Sächsische Landesgeschichte an der TU Dresden und Direktor des Instituts für Sächsische Geschichte und Volkskunde, Prof. Regina Bendix als Kulturwissenschaftlerin und Europäische Ethnologin von der Georg-August-Universität Göttingen und Prof. Annette Werberger als Literaturwissenschaftlerin von der Europa-Universität Viadrina Frankfurt/Oder.

    Institutsdirektor Dr. Hauke Bartels: "Die jährlichen Gremiensitzungen sind immer auch eine Gelegenheit, die wichtigsten Entwicklungen des Jahres darzustellen und zu reflektieren, und ich freue mich sehr, dass unsere Arbeit auch dieses Mal große Anerkennung fand. Das Institut wird von den Ideen und dem großen Engagement aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter getragen. Wir sind zu einem tollen Team zusammengewachsen, und es ist eine Freude, diese Entwicklung als Direktor mitgestalten zu können."

    Der unabhängige Wissenschaftliche Beirat berät das Kuratorium und den Vorstand in allen wissenschaftlichen und organisatorischen Fragen von Gewicht. Er erarbeitet Vorschläge und Empfehlungen zu den vom Institut zu bearbeitenden Forschungsfeldern und zu dessen Arbeitsplanung, insbesondere zum jährlichen Arbeitsplan sowie zum Tätigkeitsbericht des Vorstands. Der Wissenschaftliche Beirat bewertet periodisch in der Regel im Abstand von vier Jahren Forschungsleistung und Arbeitspläne des Instituts in einem schriftlichen Bericht. Grundlage für die Evaluation sind Statistiken, Fragebögen, Fragestunden und eine Vor-Ort-Begehung in Bautzen und Cottbus.

    Die Gremiensitzungen fanden erstmals virtuell statt. Den sonst in diesem Rahmen üblichen öffentlichen Vortrag musste das Institut pandemiebedingt absagen.


    Wissenschaftler des Sorbischen Instituts zum Professor berufen

    Bautzen/ 12.11.2020

    Der Slawist und Privatdozent Dr. Thomas Menzel am Sorbischen Institut in Bautzen wurde vom Präsidenten der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, Prof. Dr. Piper, zum Monatsbeginn (November) zum außerplanmäßigen Professor berufen.

    Seit 1995 ist der Sprachwissenschaftler Thomas Menzel wissenschaftlicher Mitarbeiter an verschiedenen Universitäten im deutschsprachigen Raum, zunächst in Oldenburg, dann auch in Greifswald und Regensburg. In Freiburg und Wien hat er sprachwissenschaftliche Professuren vertreten. Thomas Menzel hat Forschungsprojekte zum Sprachwandel in Morphologie und Syntax der slawischen Sprachen durchgeführt, zu deutschen Lehnwörtern im Polnischen und seinen Dialekten und zum Sprachkontakt von Minderheitensprachen. Er hält Vorlesungen und Seminare zur Kulturgeschichte der slawischen Völker, zur polnischen und russischen Grammatik und Sprachgeschichte sowie zu slawischen Minderheitensprachen, unter anderem Kaschubisch, Russinisch und Burgenlandkroatisch. Der 53-Jährige Slawist ist seit 2016 am Sorbischen Institut in Bautzen in der Abteilung für Sprachwissenschaften tätig.

    Prof. Dr. Gun-Britt Kohler, Direktorin des Instituts für Slavistik in Oldenburg würdigt Menzels Forschung: "Herrn Dr. Menzels wissenschaftliches Profil zeichnet sich zunächst in herausragender Weise durch seine außer¬ordentliche Breite aus, die nahezu ein Alleinstellungsmerkmal bildet. Er zählt zu den ganz wenigen jüngeren Slawistinnen und Slawisten, die zu mehr als zwei slawischen Sprachen publiziert haben – Polnisch, Russisch, Ukrainisch, Weißrussisch, Lemkisch, Serbisch, Kroatisch, Kaschubisch, Obersorbisch und Niedersorbisch."

    Seit 2017 arbeitet Thomas Menzel neben seinen Forschungen zur sorbischen Grammatik am sorabistischen Beitrag zum Slawischen Sprachatlas des Internationalen Slawistenkomitees mit. Dieser Sprachatlas ist ein langfristiges multilaterales Forschungsprojekt der slawischen Länder und Deutschlands. Es ist das erste makrodialektologische Vorhaben, das die mundartliche Gliederung einer ganzen Sprachenfamilie untersucht.

    Seit 2018 ist Thomas Menzel auch Mitglied in der Kommission für slawische Sprach-kontakte beim Internationalen Slawistenkomitee. Die Kommission beschäftigt sich mit der Beeinflussung von Grammatik und Wortschatz einer Sprache durch ihre Kontakt- oder Nachbarsprachen. Seit 2020 vertritt er die Sorben im Internationalen Slawistenkomitee, das alle fünf Jahre den Internationalen Slawistenkongress ausrichtet.

    Auch Institutsdirektor, Dr. Hauke Bartels, freut sich über die Titelverleihung: "Es ist von großer Bedeutung, sorabistische Sprachwissenschaft immer auch im größeren Kontext der Slawistik zu betreiben. Gerade in diesem Bereich ergänzt Thomas Menzel das Gesamtprofil der Abteilung Sprachwissenschaft am Sorbischen Institut in idealer Weise. Ich freue mich, dass wir ihn für die Sorabistik gewinnen konnten und seine Forschungen mit dem neuen Titel Anerkennung finden. Mit seiner Lehre wird er weiter Interesse an den Sorben und dem Sorbischen wecken können."

    Prof. Dr. Gerd Hentschel, der Doktorvater von PD Dr. Thomas Menzel am Institut für Slavistik in Oldenburg: "Schon sehr bald ist an die Stelle des Lehrer-Schüler-Verhältnisses ein kollegiales getreten, das sich nicht zuletzt in einer Reihe gemeinsamer Publikationen niederschlägt. Thomas Menzel verbindet vorbildlich profunde und breite Kenntnis der slawischen Sprachen in arealer und chronologischer Hinsicht mit theoretischer Orientierung in der modernen Sprachwissenschaft. Er wird national wie international wahrgenommen und ist für die Oldenburger Slawistik und – wie ich hoffe – für seine jetzige akademische Heimat, das Sorbische Institut, ein Aushängeschild."

    Thomas Menzel lebt seit vier Jahren in der Lausitz und spricht inzwischen auch Obersorbisch.

    Weitere Informationen (mit Publikationsliste und Kurzvita):
    Download dieser Medieninformation als PDF

    Begegnungen mit Wölfen, Begegnungen mit Menschen. Neues aus der kultur- und sozialwissenschaftlichen Wölfeforschung

    Gemeinsame Medieninformation des Sorbischen Instituts und der Julius-Maximilians-Universität Würzburg

    Tagungsband über Mensch-Wolf-Beziehungen erschienen

    (Bautzen, Würzburg/ 22.10.2020) In der Lausitz sind Wölfe seit 20 Jahren wieder heimisch und wandern von hier aus in immer mehr Teile Deutschlands und Zentraleuropas. Mit ihrer Anwesenheit und ihrem Tun polarisieren Wölfe und fordern die Gesellschaft – längst nicht nur in ökologischer Hinsicht. Auch die historische, kulturgeographische und anthropologische Betrachtung liefert spannende Erkenntnisse dazu, welche Veränderungs- und Lernprozesse in verschiedenen Gesellschaften in Gang gesetzt wurden und werden. Denn Wölfe konkurrieren mit uns Menschen nicht nur um Ressourcen, sondern sind eine kulturell stark besetzte Tierart.

    Der internationale und interdisziplinäre Austausch über neue Erkenntnisse der kultur- und sozialwissenschaftlichen Wölfeforschung war Anlass für die Tagung "Encounters with Wolves: Dynamics and Futures" im Juni 2018 in Bautzen. Nun erscheint der englischsprachige Tagungsband mit einem deutschen Vorwort der Herausgeberinnen Susanne Hose (Sorbisches Institut) und Marlis Heyer (Universität Würzburg) unter gleichem Titel.

    Die Autorinnen und Autoren, deren Beiträge, ein Interview und ein Fotoessay im Tagungsband versammelt sind, setzen sich mit Fragen rund um die Wolfsrückkehr, aber auch mit dem Zusammenleben von Wölfen, Menschen und anderen Lebewesen in Deutschland, Polen, Finnland, Schweiz und der Mongolei auseinander. Die Beiträge geben Einblicke in aktuelle Studien zu historischen, narrativen, politischen und populärkulturellen Dimensionen und Kommunikationsprozessen.

    Die o.g. Tagung war ein Kooperationsprojekt der folgenden drei Forschungseinrichtungen: Sorbisches Institut Bautzen, Lehrstuhl für Europäische Ethnologie/Volkskunde der Universität Würzburg und Institut für Sozialanthropologie und Empirische Kulturwissenschaft der Universität Zürich. Die vorliegende Publikation ergänzt die kürzlich erschienene Publikation der beteiligten Forschungseinrichtungen und ihrer Partnerinstitute "Managing the Return of the Wild. Human Encounters with Wolves in Europe" (London/New York 2020) um weitere spannende gesellschaftswissenschaftliche Aspekte.

    Der reich bebilderte Tagungsband erscheint als Heft Nr. 32 der Kleinen Reihe des Sorbischen Instituts und umfasst 161 Seiten (ISBN 978-3-9816961-9-6. 12,00 Euro).

    Volltext-PDF: https://www.serbski-institut.de/de/Kleine-Reihe-32/4679/#q4679

    Druckexemplare erscheinen voraussichtlich in der zweiten Novemberhälfte und können im Sorbischen Institut (si@serbski-institut.de, Tel. +49 3591 4972-0) oder in der Smolerʼschen Verlagsbuchhandlung in Bautzen bestellt werden (buchhandlung@domowina-verlag.de, Tel. +49 35 91 57 72 88).

    Ansprechpartnerinnen
    Hintergrund
    Die Tagung fand im Rahmen zweier Forschungsprojekte statt:
    Für das Foto (unten) gilt: (c) Marlis Heyer, Julius-Maximilians-Universität Würzburg




    Umfangreicher Bestand des Sorbischen Kulturarchivs wird digitalisiert – Mit Schwela-Nachlass wird einmaliges Zeugnis der Zeitgeschichte digital zugänglich gemacht

    (Bautzen/ 20.10.2020) Seit 1. Oktober wird der Nachlass von Gotthold Schwela (Bogumił Šwjela, 1873-1948) am Sorbischen Institut in Bautzen digitalisiert und detailliert erschlossen. Schwela war Pfarrer, Sprachwissenschaftler, Publizist, Schriftsteller, Übersetzer und Kulturpolitiker in der Niederlausitz. Das von der DFG mit 111.000 Euro finanzierte Projekt über das Förderprogramm "Digitalisierung und Erschließung" (Wissenschaftliche Literaturversorgungs- und Informationssysteme) trägt den Titel "Archivische Findmittel und Quellen: Digitalisierung und Tiefenerschließung des Nachlasses von Gotthold Schwela" und läuft für 18 Monate bis März 2022.

    Projektverantwortliche Dr. Annett Bresan: "Der Nachlass von Gotthold Schwela ist einer der umfangreichsten Bestände im Sorbischen Kulturarchiv. Schwela zählt mit seiner Vita und seinem Wirken zu den wichtigsten sorbischen Intellektuellen seiner Zeit. Es gibt keinen weiteren Bestand, der eine derartige dichte Dokumentation der niedersorbischen Sprache, Alltagskultur und der Bemühungen um den Erhalt und die Weiterentwicklung derselben bietet. Erstmalig digitalisieren wir einen Nachlass von diesem Ausmaß."

    Der Nachlass beinhaltet Dokumentensammlungen zur staatlichen und kirchlichen Politik gegenüber den Sorben, zur Selbstorganisation sorbischen Kulturlebens, sprachhistorische Sammlungen zu Flurnamen, Familien- und Ortsnamen, eine Grammatik, eine Wörterbuchsammlung und eine ethnologisch-sprachliche Sammlung zu allen Facetten der niedersorbischen Volkskultur.

    Das Ziel des Projekts ist die Zugänglichmachung dieser einmaligen Quellen zur Zeitgeschichte in entsprechenden Online-Portalen (Kalliope) im Bild und mit detaillierten inhaltlichen Erschließungsinformationen. Nach Projektabschluss sollen die Materialien im Wissensportal SORABICON veröffenlicht werden, vgl. www.sorabicon.de .

    Als wissenschaftlicher Mitarbeiter bearbeitet der Ethnologe und Historiker Dr. Pětr Jahn-Bresan das DFG-Projekt, technische Arbeiten führen Jan Krahl und Martin Brützke aus. Als Projektverantwortliche koordiniert Dr. Annett Bresan, Leiterin des Sorbischen Kulturarchivs am Sorbischen Institut, das Erschließungsprojekt. Wito Böhmak, Leiter der Sorbischen Zentralbibliothek, ist für die IT-Implementierung verantwortlich.

    Dokumente/Links:
    Nachlass (Liste und Historie) von Gotthold Schwela (Bogumił Šwjela) im Bestand des Sorbischen Kulturarchivs
    Vortrag von Dr. Annett Bresan zur Vita und zum Wirken von Gotthold Schwela (Bogumił Šwjela)
    In der aktuellen Ausgabe des Lětopis 2020/1 (Hrsg. Sorbisches Institut) sind zwei Aufsätze zu Schwelas Leben, Wirken und Werk zu finden (von Dr. Alfred Roggan und Dr. Peter Schurmann)
    Eindruck aus dem Magazin-Bestand des Sorbischen Kulturarchivs mit dem Nachlass von Gotthold Schwela:
    für beide Fotos gilt (c) Sorbisches Institut, 2020
    Ordnerrücken mit Schwela-Nachlass im Magazin des Sorbischen Kulturarchivs

    Hefter mit einem Ausschnitt des Schwela-Nachlasses im Magazin des Sorbischen Kulturarchivs



    Wie können sich Regional- und Minderheitensprachen weiter organisieren? Sprachexperten treffen sich in Bautzen

    (Bautzen/22.09.2020) Am 22. September trafen sich die Sprachexperten der Regional- und Minderheitensprachen Deutschlands zur Jahrestagung von EBLUL Deutschland, dem Länderkomitee des früheren European Bureau of Lesser Used Languages (Europäisches Büro für Sprachminderheiten). Im Mittelpunkt stehen die Berichte über die aktuelle Lage der Minderheiten und ihrer Sprachen sowie der Austausch über neue Projekte. Obersorbisch wird vertreten durch Dr. Jana Schulz, Sprachwissenschaftlerin am Sorbischen Institut, das Niedersorbische repräsentiert Dr. Hauke Bartels, Direktor des Sorbischen Instituts. Am Abend stellen die Vertreter einer begrenzten Anzahl von Besuchern (aus Vorsorgemaßnahme im Zusammenhang mit COVID-19 keine öffentliche Veranstaltung) im Bautzener Haus der Sorben folgende Regional- und Minderheitensprachen vor: Dänisch, Saterfriesisch, Nordfriesisch, Niederdeutsch/Plattdeutsch, Plautdietsch und Romanes. Ein besonderes Anliegen des Treffens ist es, diese Sprachen dem Bautzener Publikum nahe zu bringen.

    EBLUL Deutschland arbeitet seit 2012 unter dem Dach von FUEN (Föderalistische Union Europäischer Nationalitäten) und setzt sich für die Regional- und Minderheitensprachen in Deutschland ein. Die in Deutschland betroffenen Sprachen sind das Dänische, das Nord- und Saterfriesische, das Obersorbische, das Niedersorbische, das Romanes sowie Niederdeutsch.

    Sachsens Wissenschaftsminister Gemkow informiert sich am Sorbischen Institut

    (Bautzen/ Budyšin, 16.09.2020) Am 16. September informierte sich Sachsens Staatsminister für Wissenschaft Sebastian Gemkow am Sorbischen Institut in Bautzen über die aktuelle Arbeit und Forschungsschwerpunkte des Instituts.

    Mit seinem Antrittsbesuch verschaffte sich Staatsminister Gemkow einen Überblick über die vielseitigen Arbeitsbereiche des Sorbischen Insituts mit der Sorbischen Zentralbibliothek und dem Sorbischen Kulturarchiv. Thematisiert wurden zum Beispiel die Digitalisierung des sorbischen Kulturerbes, Vorhaben zur Sprachdokumentation und Sprachförderung sowie das Engagement des Instituts im Strukturwandelprozess. Außerdem wurde der aktuelle Stand zur Entwicklung einer sorbischen Vorlesefunktion für Websites präsentiert. Dieses Projekt wird seit 2019 aus Inklusionsmitteln des Freistaates Sachsen finanziert (Zuwendung 2019/20 knapp 240.000 Euro).

    "Bei der Digitalisierung sehe ich das Sorbische Institut als Vorreiter und Kompetenzzentrum für die Sorben/Wenden", so Direktor Dr. Hauke Bartels nach der Präsentation verschiedener digitaler Ressourcen, die am Institut entwickelt wurden. Beispiele sind das niedersorbische Sprachportal niedersorbisch.de und das Wissensportal SORABICON.

    Staatsminister für Wissenschaft Sebastian Gemkow: "Das Sorbische Institut nimmt eine wichtige Rolle im sorbischen Institutionengefüge und in der regionalen Wissenschaftslandschaft ein, deswegen wollen wir es weiter stärken. Es ist beeindruckend, wie es dem Sorbischen Institut gelingt, Grundlagenforschung mit Anwendungsorientierung zu verbinden."

    Das Sorbische Institut / Serbski institut Bautzen (mit einer Zweigstelle in Cottbus) erforscht aktuell in etwa 70 Projekten die Sprache, Geschichte und Kultur der Sorben in der Ober- und der Niederlausitz. Die interdisziplinären Forschungen des Instituts richten sich auf die aktuelle Situation (unter anderem Strukturwandel und Transformationsprozesse) sowie die Spezifik und den Vergleich kleiner Sprachen und Kulturen in Europa. Die Sorbische Zentralbibliothek sammelt Literatur in sorbischer Sprache, über die Sorben und über die Ober- und Niederlausitz. Sie ist zugleich wissenschaftliche Fachbibliothek des Sorbischen Instituts und besitzt einen wertvollen Bestand an slawischen und slawistischen Büchern und Zeitschriften (über 110.000 Medieneinheiten). Das Sorbische Kulturarchiv ist das einzige öffentliche Archiv für sorbisches und sorabistisches Archiv- und Sammelgut. Die digitale Präsentation ausgewählter Bildsammlungen entstand aus der Zusammenarbeit mit der Deutschen Fotothek Dresden.
    Für alle Fotos gilt: (c) Serbski institut/ Sorbisches Institut (2020)


    15. Juli 2020 17.00 Uhr – APERO im Garten „Demokratie: Eine gefährdete Lebensform“

    Buchvorstellung und Debatte
    Till van Rahden und Lutz Rathenow im Gespräch mit Roland Löffler



    Beachten Sie bitte die Änderung des Veranstaltungsortes, siehe unten.


    (Bautzen/Budyšin, 30.06.2020) Demokratie ist nicht selbstverständlich. Um zu ergründen, was Demokratie gefährdet, was sie stärkt, was sie von jeder und jedem Einzelnen braucht, lädt das Sorbische Institut gemeinsam mit der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung (SLpB) am Mittwoch, dem 15. Juli, um 17 Uhr, ein zur Lesung mit anschließender Diskussion in den Marianne-Britze-Garten, Bahnhofstraße 6, Bautzen. Der einstige DDR-Bürgerrechtler und heutige Sächsische Landesbeauftragte für die Aufarbeitung der SED-Diktatur, Lutz Rathenow, und Prof. Dr. Till van Rahden diskutieren an diesem frühen Abend. Till van Rahden stellt sein 2019 erschienenes Buch „Demokratie – Eine gefährdete Lebensform“ vor. Er vertritt die These, dass diese Herrschaftsform als Lebensform verwirklicht werden muss. Wollen die Bürgerinnen und Bürger mehr sein als unbeholfene Demokraten, so der in Montréal lehrende deutsche Historiker, müssen sie die Umgangsformen pflegen, die Streitkultur stärken und die öffentlichen Räume ausbauen, die es im Alltag ermöglichen, Gleichheit wie Freiheit zu erleben und demokratische Tugenden einzuüben. Mit ihm zusammen ergründet Lutz Rathenow das mentale Erbe von DDR und BRD vor der Wiedervereinigung. Rathenow, einer der führenden Dissidenten in der DDR, begleitet seit fünf Jahrzehnten die gesellschaftlichen Entwicklungen in Ost-, West- und Gesamtdeutschland. Durch das Gespräch führt Roland Löffler, Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung.

    Demokratie als Lebensform? Streiten Sie mit über unser aller Umgangsformen - im Alltag, in Familie, Wissenschaft oder Politik!

    Podium:
    Till van Rahden ist Inhaber des Canada Research Chair in German and European Studies an der Université de Montréal und derzeit Gastwissenschaftler am Sorbischen Institut.
    Lutz Rathenow ist Schriftsteller und Sächsischer Landesbeauftragter zur Aufarbeitung der SED-Diktatur.
    Roland Löffler ist Direktor der Sächsischen Landeszentrale für politische Bildung, Dresden.

    Begrüßung: Susanne Hose , Stellvertretende Direktorin des Sorbischen Instituts, Bautzen

    Anmeldung:
    Aufgrund der Corona-Pandemie ist eine Anmeldung unter si@serbski-institut.de erforderlich.

    Zudem bitten wir die Hygienevorschriften nach der Sächsischen Corona-Verordnung vom 25.06.2020 für die Veranstaltung zu beachten.


    Eine Teilnahmegebühr wird nicht erhoben.


    Änderung des Veranstaltungsortes


    Aufgrund der Wetterprognose für Mittwoch, den 15. Juli 2020, findet die Veranstaltung im großen Saal des Hauses der Sorben, Postplatz 2, statt. .
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    Neuer Projektverbund erforscht die multiplen Transformationen seit 1989 in der Lausitz, Sachsen, Ostdeutschland und Ostmitteleuropa

    (Bautzen/Budyšin, 3.04.2020) Die „Friedlichen Revolutionen“ in der DDR und den Staaten Ostmitteleuropas sowie die Wiedervereinigung Deutschlands vor rund 30 Jahren bedeuteten eine historische Zäsur, deren Folgen bis heute nachwirken. Neben den systemischen Veränderungen in Politik, Kultur, Wirtschaft und Recht stellten die Auflösung und das Ende der staatssozialistischen Alltagswelt eine einschneidende biografische Erfahrung für viele Menschen dar. In den neuen Bundesländern wie in Ostmitteleuropa ging damit die Notwendigkeit einer Umstellung auf neue gesellschaftliche Anforderungen, Freiheiten und Zwänge einher, die in ganz unterschiedlicher Weise – als Chance, als Niederlage oder als Notwendigkeit – bewältigt wurde. Die frühe Nachwendezeit war einerseits geprägt von Aufbruchseuphorie, Freiheitsrhetorik und der Freude über neu gewonnene persönliche wie auch politische Entfaltungsmöglichkeiten. Andererseits bestimmten Erschütterung über die „Abwicklung“ der volkseigenen Betriebe sowie die rasche Etablierung kapitalistischer Strukturen und die massenhaften „Privatisierungen“ nahezu alle Bereiche des täglichen Lebens. Der Wandel bot genauso Konsumverheißungen und neue kulturelle Handlungsspielräume, wie ihm auch Anpassungsschwierigkeiten und Unsicherheiten folgten, die die Lebensentwürfe und Erwerbsbiographien weiter Teile der Bevölkerung betrafen. Die langfristigen Folgen von Entfremdung, Entsolidarisierung und sozialer Spaltung beschäftigen uns noch heute.

    Vor diesem Hintergrund haben sich vier in Sachsen ansässige außeruniversitäre Forschungsinstitute im Projektverbund „Multiple Transformationen. Gesellschaftliche Erfahrung und kultureller Wandel in Ostdeutschland und Ostmitteleuropa vor und nach 1989“ zusammengeschlossen. Seit Anfang Februar 2020 erforschen vier WissenschaftlerInnen den Umbruch von 1989 sowie die Folgeerscheinungen des Transformationsprozesses in transdisziplinärer Perspektive in Deutschland und seinen ostmitteleuropäischen Nachbarländern. Im Fokus stehen zentrale Handlungs- und Bewältigungsstrategien (Aufmerksamkeitswandel, neue Vergemeinschaftungsformen, Freiwilligkeit und kulturelle Inwertsetzung), an denen sich die vielgestaltigen Verschränkungen von lebensweltlich-sozialem, künstlerisch-kulturellem und ökonomischem Wandel in den vier Untersuchungsregionen (Lausitz, Sachsen, Ostdeutschland und Ostmitteleuropa) zäsurübergreifend aufzeigen lassen. Die einzelnen Projekte werden auf einer heterogenen, breiten Methoden- und Quellenbasis realisiert: durch Experten- und lebensgeschichtliche Interviews, teilnehmende Beobachtungen, Auswertung schriftlicher, und (audio-)visueller Quellen aus Archiven, privaten Sammlungen und Museen, durch Analyse von Massen- und Sozialen Medien, von populärer oder von Bildender Kunst.

    Dr. Theresa Jacobs vom Serbski institut/Sorbischen Institut (SI) in Bautzen widmet sich der sorbischen Kultur- und Kreativwirtschaft in der Transformation . Sie untersucht die Bedeutung kulturellen Erbes zwischen ethnischer Selbstvergewisserung und ökonomischer Inwertsetzung bei der sorbischen Minderheit. Oliver Wurzbacher vom Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde (ISGV ) in Dresden, das gleichzeitig die Koordination des Projektverbundes innehat, wendet sich Vereinigungen zu, die sich im Anschluss an das Ende der ehemaligen DDR-Betriebskollektive gegründet haben. Unter dem Begriff des „sozialen Erbes“ wird er erforschen, wie Aspekte der damaligen Arbeit traditionalisiert wurden und neue Formen der Vergemeinschaftung entstanden. Freiwilligkeit und Fürsorge in der Transformation ist das Thema von Dr. Maren Hachmeister vom Hannah-Arendt-Institut für Totalitarismusforschung (HAIT ) in Dresden. Lokales Engagement wird vergleichend im Dreiländereck untersucht. Dr. Beáta Hock vom Leibniz-Institut für Geschichte und Kultur des östlichen Europa (GWZO ) in Leipzig untersucht den Aufmerksamkeitswandel für die „Kunst im Osten“. Hierbei stehen Transformationen der Kunstförderung und der kulturellen Infrastruktur seit den späten 1980er-Jahren im Fokus.

    Der Projektverbund wird vom Sächsischen Ministerium für Wissenschaft, Kultur und Tourismus gefördert.

    Wissenschaftsminister Sebastian Gemkow betont: „Die Auseinandersetzung mit der jüngeren Geschichte sowie den Lebensbrüchen und grundlegenden gesellschaftlichen Veränderungen nicht nur hierzulande trägt dazu bei, Zusammenhänge und auch individuelle Lebenswege besser zu verstehen. Die Forschungen fördern sicherlich neue spannende Erkenntnisse zu Tage. Ich wünsche den Projektbeteiligten viel Erfolg!“

    Die Ergebnisse werden projektbezogen in unterschiedlichen Formaten wie Vorträgen, Aufsätzen, Monografien und (Foto-)Ausstellungen publiziert. Weiterhin sind für die kommenden drei Jahre regelmäßige Workshops zum interdisziplinären Austausch sowie für das letzte Jahr (2022) eine internationale Abschlusskonferenz zur Präsentation der Ergebnisse geplant.

    Ansprechpartnerin des Projektverbunds: PD Dr. Ira Spieker, Leiterin des Bereiches Volkskunde/Kulturanthropologie am Institut für Sächsische Geschichte und Volkskunde in Dresden

    Kontakt: ira.spieker@mailbox.tu-dresden.de
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    Das Sprachportal niedersorbisch.de informiert jetzt auch über Eigennamen

    Wie lautet der niedersorbische Name eines Ortes? Kann ein niedersorbischer Siedlungsname auch für mehrere deutsche Siedlungsnamen stehen? Welche niedersorbischen Ortsnamen in Gegenwart und Vergangenheit existieren überhaupt? Diese und weitere Fragen können nun mithilfe einer neuen Internetseite des Sorbischen Instituts beantwortet werden.
    Dazu wurden an der Cottbuser Zweigstelle des Instituts Informationen aus einer Vielzahl von Quellen zusammengetragen, das Material strukturiert und systematisiert.
    Das Ergebnis ist ein neuer Online-Informationsservice zu sorbischen Namen. Durch eine komfortable Suchfunktion ermöglicht die mittlerweile neunte Rubrik des Portals ein zuverlässiges Auffinden der enthaltenen Daten. Dazu zählen die jeweiligen deutschen Entsprechungen mit möglichen Varianten ebenso wie vom sorbischen Ortsnamen abgeleitete Benennungen (Einwohner, Adjektive). Auch Angaben zur Flexion der Namen und Links zu weiterführenden Informationen werden angeboten.

    Die Erstveröffentlichung umfasste zunächst Siedlungsnamen aus dem angestammten Siedlungsgebiet der Sorben/Wenden im Land Brandenburg. Soeben erfolgte jedoch bereits eine erste Erweiterung um ca. 500 weitere brandenburgische Orte jenseits des Siedlungsgebiets. Dabei handelt es sich vor allem um niedersorbische Ortsnamen aus den Kreisen Spree-Neiße, Oberspreewald-Lausitz, Dahme-Spreewald, Elbe-Elster und Oder-Spree.
    Weitere Ergänzungen der neuen Seite sind in Arbeit oder geplant, auch um sorbische Vor- und Zunamen und weitere Namenstypen. Perspektivisch soll auch der obersorbische Sprachraum einbezogen werden.

    Ebenfalls neu seit Anfang des Jahres ist eine zentrale sorbische Suchfunktion auf der Hauptseite des Portals. Damit können zuverlässig und auch bei ungenauer Eingabe des Suchworts die Information aus den beiden für den heutigen Sprachgebrauch wichtigsten Wörterbüchern zum Niedersorbischen gefunden werden.

    * Das Vorhaben wurde und wird gefördert durch die Stiftung für das sorbische Volk, die jährlich auf der Grundlage der beschlossenen Haushalte des Deutschen Bundestages, des Landtages Brandenburg und des Sächsischen Landtages Zuwendungen aus Steuermitteln erhält.

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    Von der Depesche bis zum Tweet: Sorbisches Institut lädt am 7. März 2020 zum Tag der Archive

    Im Angebot: Vorführung eines historischen Films, Besichtigung von alten Briefen sorbischer Persönlichkeiten, Einblick in die sorbische Frakturschrift sowie Führungen durch das Kulturarchiv – in Deutsch und Sorbisch

    (Bautzen/Budyšin, 20.02.2020) Unter dem Motto „Von der Depesche zum Tweet“ lädt am 7. März 2020 von 14 bis 16:30 Uhr das Sorbische Institut/Serbski institut zum Tag der Archive auf die Bahnhofstraße 6 in Bautzen ein.

    Besucher haben beim Tag der Archive die Möglichkeit, besonders wertvolle Archivalien aus dem Sorbischen Kulturarchiv/Serbski kulturny archiw zu besichtigen. So wird z.B. Korrespondenz bekannter oder vergessener sorbischer Persönlichkeiten gezeigt, Mitarbeiter bieten Führungen durch das einmalige Kulturarchiv an. Als Höhepunkt des Tages wird der Schwarzweiß-Film „Das Jahr 1950 bei den Sorben“ vorgeführt und kommentiert.

    Das Sorbische Institut twittert
    Passend zum Motto der Veranstaltung „Von der Depesche bis zum Tweet“, startet das Sorbische Institut seinen Twitter-Kanal (@serbskiinstitut ):www.twitter.com/serbskiinstitut . Hier wird das Institut künftig ergänzend zur Website und zum Newsletter über Neuigkeiten berichten.

    Einzigartige Sammlung von Archivgut der Sorben

    Das Sorbische Kulturarchiv ist das einzige öffentliche Archiv für sorbischsprachiges und sorabistisches Archiv- und Sammelgut. Es gehört wie die Sorbische Zentralbibliothek zum Sorbischen Institut. Das Archiv und die Bibliothek gehen auf die Sammlungen der Maćica Serbska zurück. Die Maćica Serbska wurde 1847 in Bautzen als gesamtsorbischer Verein zur Herausgabe sorbischer Bücher gegründet.

    Zu den wichtigsten Beständen des Sorbischen Kulturarchivs zählen die Nachlässe sorbischer Politiker, Wissenschaftler, Musiker, Schriftsteller und bildender Künstler der Ober- und Niederlausitz, Akten der Domowina von der Gründung 1912 bis 1989 und Schriftgut sorbischer Vereine. Einen besonderen Platz nehmen die Fotosammlungen, Fotografennachlässe, Ton- und Filmdokumente ein. Daneben sammelt das Archiv auch Dissertationen, Zeitungsausschnitte, Programmhefte und Plakate zu sorbischen Themen. Sie alle sind wichtige Dokumente für die historische Forschung und die heutige Kulturpraxis der Sorben.

    Bautzener Tag der Archive ist Teil der deutschlandweiten Aktionstage
    Der Tag der Archive ist eine Initiative des VdA (Verband deutscher Archivarinnen und Archivare e.V.), an der sich bundesweit mehrere hundert Archive beteiligen. Er soll auf die archivische Arbeit aufmerksam machen. Seine nunmehr 10. Auflage im Jahr 2020 steht ganz im Zeichen der Kommunikation (www.tagderarchive.de).

    Der Tag der Archive im Sorbische Kulturarchiv kurz & knapp:

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    SORBISCHES INSTITUT - SERBSKI INSTITUT
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    D-02625 Bautzen/Budyšin
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