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Strategien und Tendenzen narrativer Welterzeugung der Niedersorben im 21. Jahrhundert (Arbeitstitel)

Das Projekt untersucht die niedersorbischen Medien und Kunstformen (Literatur, Film, bildende Kunst, Theater, Musik, Publizistik etc.) der letzten Jahrzehnte mit einem Interesse an charakteristischen Bedeutungsstrukturen und Erzählmustern, die über vorherrschende Modi der Selbstbeschreibung und Identitätskonstruktion, ideologische Tendenzen, Eigen-Fremd-Unterscheidungen und dominante Sinnzuschreibungen Aufschluss geben. Mit einem dezidiert historisierenden Interesse und methodischen Impulsen aus den Literatur-, Kultur- und Medienwissenschaften (Raumtheorie, postkoloniale Theorie, Ecocriticism etc.) sollen Grundzüge der narrativen Weltdeutung und Wirklichkeitskonstruktion im niedersorbischen Diskursfeld der Gegenwart und jüngsten Vergangenheit identifiziert und analysiert werden. 

Der in sorbischen Erzählmedien zu beobachtende intensive Bezug zur (sorbischen) Lausitz legt zunächst einen raumtheoretischen Ansatz nahe, der Grenzen und Grenzziehungen, räumlich strukturierte Machtverhältnisse sowie Mobilität und Bewegung als Herausforderung für kollektive Selbstbilder und Normalitätsnarrative zu untersuchen ermöglicht. Dabei ist jedoch stets die Verflechtung mit der Zeitdimension zu beachten, da das niedersorbische Erzählen maßgeblich durch ein Heraufbeschwören des Vergangenen sowie von Zukunftsprojektionen geprägt ist. Weitere Dimensionen, die im Zuge dessen zu berücksichtigen sind, umfassen u.a. den Stadt-Land-Gegensatz als diskursives Aushandlungs- und Konfliktfeld hinsichtlich Identität und Zugehörigkeit, Mensch-Natur-Beziehungen als Bestandteil niedersorbischer Selbstbeschreibungsstrategien, Sagen- und Mythenbezüge in ihrer Verwobenheit mit Identitätserzählungen und Modi der Geschichtsdeutung, sowie Geschlechterverhältnisse als (konfliktbehafteter) Aspekt von Normalitätsnarrativen und der Macht- und Ordnungsstrukturen imaginärer Weltentwürfe. 


Projektbeteiligte: Willi W. Barthold