Bautzen/Budyšin - 22.09.2026

Verschwundene Dörfer – Wissenschaftliche Bilanz nach über 100 Jahren Bergbaugeschichte in der Lausitz

Cover der Publikation ''Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier'' von Frank Förster (erschienen als Band 8 der Schriftenreihe des Sorbischen Instituts), hier die aktualisierte, ergänzte 4. Auflage. Das Cover ist in grün-türkis Tönen gehalten, mittig ein Bagger-Motiv und im Hintergrund die Gebäude eines Dorfes.
Umschlag "Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier" von Frank Förster (erschienen als Band 8 der Schriftenreihe des Sorbischen Instituts), hier die aktualisierte, ergänzte 4. Auflage © Domowina-Verlag GmbH (2026)

29. September: Buchvorstellung mit dem Herausgeber Dr. Robert Lorenz (Sorbisches Institut) im Sorbischen Kulturzentrum Schleife

Im Herbst 2025 wurden die letzten Gehöfte des Lausitzer Heidedorfes Mühlrose/Miłoraz abgerissen. Damit endeten mehr als 600 Jahre Dorfgeschichte. Mühlrose ist seit 1924 das 89. Dorf, das im Zuge des Lausitzer Braunkohletagebaus vollständig devastiert wurde und dessen Einwohner:innen (offiziell 416 Betroffene) sich einen neuen Wohnort suchen mussten. Insgesamt betraf dieses Schicksal in diesem einhundertjährigen Zeitabschnitt ca. 30.000 Menschen. Viele von ihnen waren sorbischer/wendischer Herkunft. Nimmt man eine Sprachkarte der Lausitz des Jahres 1900 zur Hand, so ist ein Drittel des damals sorbischen Sprachgebietes seither durch Tagebaue zerstört worden. Die Auswirkungen auf Sprache und Kultur dieser autochthonen Gemeinschaft waren immens.

Der Sorabist Frank Förster (1937-2011) veröffentlichte 1995 am Sorbischen Institut mit „Verschwundene Dörfer“ einen modernen Klassiker der sorbischen wissenschaftlichen Publizistik. Das Buch stellte eine Pioniertat dar, da es erstmals die Bilanz der Ortsverluste seit 1924 überblickshaft darstellte und die Dimension des Prozesses greifbar machte, die bis 1990 in der DDR tabuisiert und medial schöngeredet wurde. Das Buch war in 1. und 2. Auflage sehr schnell vergriffen. 2014 erschien eine durch den Sorabisten Robert Lorenz (Sorbisches Institut) betreute Neuauflage. Sie trug auch den Ortsabrissen nach der deutschen Wiedervereinigung, zu deren bekanntesten Fällen Horno/Rogow gehört, Rechnung. 2025 wurde wiederum durch Robert Lorenz die 4. Auflage besorgt, in die Mühlrose als voraussichtlich letzte Ortsdevastierung der Lausitz ihren Eingang fand. Genau einhundert Jahre nach Neu-Laubusch/Nowy Lubuš, dem ersten Ortsabriss, ist damit nun ein historischer Endpunkt erreicht. „»Verschwundene Dörfer« macht seine Wucht deutlich und gibt den Blick auf den Preis frei, den die Lausitz als Teil der Industriegesellschaft für deren Bestand im 20. und frühen 21. Jahrhundert gezahlt hat“, fasst Herausgeber Dr. Robert Lorenz zusammen.

Buchvorstellung

Die Buchvorstellung mit dem Herausgeber Dr. Robert Lorenz (Sorbisches Institut) findet am 29.09.2026, 18:00 Uhr, im Sorbischen Kulturzentrum Schleife, Friedensstraße 65, 02959 Schleife statt.

Frank Förster: Verschwundene Dörfer im Lausitzer Braunkohlenrevier. 4., aktualisierte und überarbeitete Auflage, bearbeitet und ergänzt von Robert Lorenz. Schriften des Sorbischen Instituts, Bd. 8. Bautzen: Domowina-Verlag, 2026, 416 S., Broschur, mit Abb. und Karten. ISBN 978-3-7420-2744-3. 32,00 Euro.

Bitte fragen Sie Rezensionsexemplare direkt beim Domowina-Verlag GmbH in Bautzen an, Tel. 03591 – 577 288 bzw. buchhandlung@domowina-verlag.de.