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Im Spiegel des „Anderen“. Minorisierte Gruppen in der sorbischen Literatur (Arbeitstitel)

Das Projekt befasst sich mit der Thematisierung und Darstellung anderer minorisierter Gruppen in der sorbischen Literatur, insbesondere der Ureinwohner Amerikas („Indianer“), der Sinti und Roma („Zigeuner“) und der Juden. Es geht von der These aus, dass (aus westeuropäisch-hegemonialer Perspektive) marginalisierte „Andere“ in sorbischen Texten auf vielfältige Weise als Medien und Projektionsflächen komplexer Selbstbeschreibungsprozesse dienen. Als prominentes Beispiel ist so etwa das Werk des in die USA emigrierten niedersorbischen Dichters Mato Kosyk zu nennen, dessen Texte sich nicht nur immer wieder mit nordamerikanischen Indigenen befassen, sondern diese zugleich auch häufig als Sinnbild oder Vergleichsfolie für die Sorben heranziehen. Das „Indianer-Motiv“ als literarisches Mittel zur Konstruktion eines minoritären Selbstbildes prägt sodann die sorbische Belletristik bis in die Gegenwart hinein, wurde jedoch bisher kaum systematisch untersucht. Es ist zudem vor dem Hintergrund der „Indianer“-Darstellung in der deutschsprachigen Literatur zu betrachten und zu dieser in Beziehung zu setzen. Gleiches gilt für den literarischen Umgang mit anderen Minderheiten oder im hegemonialen Diskurs als „anders“ markierten Ethnien. Die Untersuchung erfolgt anhand ausgewählter Fallstudien, d.h. der literaturwissenschaftlichen Interpretation aussagekräftiger literarischer Texte unter Zuhilfenahme einschlägiger methodisch-theoretischer Ansätze, etwa aus der postkolonialen Theorie. Mittels einer Betrachtung ausgewählter Beispiele von Darstellungen der Sorben in der deutschen Literatur soll dem sorbischen Blick auf das „Andere“ sodann auch der Blick des „Anderen“ auf das Sorbische gegenübergestellt werden. Dieser Perspektivwechsel erlaubt es schließlich, sich den vielfältigen narrativen Mechanismen literarischer Selbstbeschreibung sowie Eigen-Fremd-Unterscheidung in Bezug auf Minderheiten in Ansätzen vergleichend zu nähern und einen ersten Versuch zu unternehmen, die literarische „Selbstbeobachtung“ der Sorben mit ihrer Beobachtung „von außen“ analytisch in Beziehung zu setzen.


Projektbeteiligte: Willi W. Barthold