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Strategien zum Erhalt und zur Bildung sorbischer Sprachräume in Anwesenheit Deutschsprachiger (Vortrag)

Termin: 27.06.2022 14:00 Uhr
Veranstaltungsort: Haus der Sorben, 02625 Bautzen

Sorbisch in Anwesenheit von Nichtsprechern zu verwenden, ist eine Herausforderung für die Bewahrung und Bildung sorbischer Sprachräume. In seinem Vortrag stellt Goro Christoph Kimura entsprechende Strategien bei den Sorben (insbesondere die Strategien der Zweisprachigkeit) aus einer soziolinguistischen Perspektive vor und stellt deren Potenziale zur Diskussion.

Grundsätzliches Ziel einer lebendigen Zweisprachigkeit ist die Akzeptanz Deutschsprachiger, dass in ihrer Gegenwart Sorbisch gesprochen wird, wenn sie nicht unmittelbar betroffen sind. Vor allem auf öffentlichen Veranstaltungen ist es wichtig zu gewährleisten, dass Deutschsprachige dem Inhalt folgen oder mitreden können.
In diesem Sinne haben sich in den vergangenen Jahren die Bedingungen für das Dolmetschen deutlich verbessert. Eine Simultanübersetzung ist jedoch nicht immer möglich, und eine konsekutive Übersetzung ist für die Zweisprachigen langweilig und honoriert nicht die Zweisprachigkeit.

Als alternative Strategie wird bei den Sorben eine „kreative Zweisprachigkeit“ praktiziert, das heißt, dass nicht derselbe Inhalt in beiden Sprachen wiederholt wird. Deutschsprachige fühlen sich nicht ausgeschlossen und das Anwenden des Sorbischen erhält einen Mehrwert. Die bewusste Umsetzung einer solchen kreativen Zweisprachigkeit kann eine lebendige Zweisprachigkeit stärken und die echte Kommunikationsfunktion der sorbischen Sprache unterstützen.

Deutschsprachige können aber auch aktiv an der sorbischen Kommunikation teilnehmen, z.B. in Form von bereits formulierten sorbischen Texten wie Liedern oder Gebeten. Erfahrungen anderer Minderheiten zeigen, dass dies sogar die Grundlage für die Revitalisierung einer Minderheitensprache sein kann.

Als eine weitere Strategie, die Deutschsprachigen in die sorbischsprachige Kommunikation einzubeziehen, nennt Goro Christoph Kimura die rezeptive Zweisprachigkeit, d. h. jeder spricht in seiner Sprache. So entsteht eine zweisprachige Kommunikation. Dies wird bereits mit Erfolg in einigen Regionen Europas praktiziert. Die rezeptiven Kenntnisse des Sorbischen unter den Deutschsprachigen auszuweiten, kann somit ein sinnvolles Ziel der Sprachenpolitik und Bildung in der Lausitz sein.

Im Vortrag stellt Kimura die Eigenschaften der genannten Strategien mit konkreten Beispielen aus der Lausitz und aus anderen Regionen vor.

Goro Christoph Kimura

  • 1974 in Nagoya, Japan, geboren
  • Studium der Germanistik und Geschichte an der Fremdsprachen-Hochschule Tokyo
  • Promotion 2002 an der Hitotsubashi-Universität in Tokyo mit dem Thema „Perspektiven menschlicher Eingriffe bei Erhalt und Revitalisierung von Minderheitensprachen“ (am Beispiel von Kornisch und Sorbisch).
  • Forschungsfeld: Soziolinguistik mit den Schwerpunkten interlinguale Kommunikation, Sprachmanagement, Sprachenrechte, Erhalt und Revitalisierung von Minderheitensprachen.
  • Feldforschung vor allem im deutsch-slawischen Kontaktgebiet
  • seit 2004 an der Sophia-Universität in Tokio beschäftigt
  • seit 2007 Extraordinarius, seit 2012 ordentlicher Professor der Sophia-Universität
  • u.a. Gastwissenschaftler (Stipendiat) am Sorbischen Institut (Bautzen) und an der Europa-Universität Viadrina (Frankfurt an der Oder)
  • Gastprofessor am Slawisch-Eurasisches Forschungzentrum der Hokkaido-Universität in Sapporo
  • aktuell Forschungsjahr an der Universtät Leipzig (2021-2022)
  • 2013-2017 Vorstandsmitglied und Sekretär der Japanischen Slawistischen Gesellschaft
  • 2016-2020 Vorstandsmitglied des Verbands der Deutschlehrenden in Japan und Schriftleiter der Zeitschrift Deutschunterricht in Japan
  • Mitherausgeber der Bücherreihe Studies in World Language Problems (Amsterdam: John Benjamins)
  • Mitglied des wissenschaftlichen Beirats von Language Problems and Language Planning und Redaktionsmitglied einiger japanischer soziolinguistischer Fachzeitschriften
  • ab September 2022 als Nachfolger der im Frühjahr 2022 verstorbenen Slawistin und Sorabistin Prof. Keiko Mitani
  • Geschäftsführer der Japanischen Slawistischen Gesellschaft (somit bleibt die Sorabistik in Japan auch institutionell vertreten)
  • Mit Ken Sasahara betreibt er die Informationsseite zu Sorben auf Japanisch: Sorubu tsushin [sorbische Informationen] mit einer Bibliographie zu sorbischen Thenen auf Japanisch und der Sorabistik in Japan: http://serbja.web.fc2.com/