Bautzen/Budyšin - 10.04.2024

Seltenes sorbisches Buch gefunden und digitalisiert

Dank einer Nachfrage aus Litauen wurde eine obersorbische Ausgabe der Preußischen Kirchen-Agenda aus dem Jahr 1899 gefunden. Inzwischen wurde das seltene Buchexemplar, mit Gottesdienstordnung, Gebeten und liturgischen Formularen für Gottesdienste und Andachten, digitalisiert und ist nun öffentlich zugänglich im Portal sachsen.digital.

Im August 2023 erreichte eine Anfrage aus Litauen das Sorbische Institut. Dr. habil. Darius Petkūnas (Universität Klaipėda) war auf der Suche nach einer um 1900 erschienenen Ausgabe der obersorbischen Preußischen Agende. Weder hatte er sie im Katalog oder der Bibliographie der Sorbischen Zentralbibliothek noch in einer anderen Bibliothek gefunden. Dass das Buch aber existierte, wusste er aus einem Aufsatz des Schleifer Pfarrers Matej Handrik aus dem Jahr 1902 in der Zeitschrift der Maćica Serbska. Darin beschreibt Handrik es als „Buch fundamentaler Wichtigkeit“.

Dr. Petkūnas forscht schon mehrere Jahre zu Preußischen Agenden und wollte die obersorbische Ausgabe in seinem umfangreichen bibliografischen Katalog einbeziehen. Darin erwähnt er unter anderem die niedersorbische Preußische Agenda aus dem Jahr 1898, die er ohne weiteres gefunden hatte.

In den Datenbanken der Sorbischen Zentralbibliothek war die obersorbische Preußische Agenda vom Ende des 19. Jahrhunderts nicht eingetragen. Auch im Pfarramt der Kirchgemeinde Schleife ist das Buch nicht mehr vorhanden, da das Schleifer Kirchenarchiv im Krieg zerstört wurde. In der Zwischenzeit wurde im Sorbischen Institut in einem Exemplar der Sorbischen Bibliographie von Jakub Wjacsławk jedoch ein handschriftlicher Hinweis gefunden. Aus ihm ging hervor, dass das Buch in den 1970er Jahren abfotografiert wurde, der entsprechende Mikrofilm fand sich dann auch schnell. Das damalige abfotografierte Exemplar der Agenda stammte aus Groß Särchen. Auf Nachfrage des Sorbischen Instituts fand sich im dortigen Pfarrarchiv rasch das gesuchte Buch. Kurz darauf stimmte auch der Gemeindekirchenrat der Digitalisierung zu. Schließlich wurde der historische Druck im Rahmen des Landesdigitalisierungsprogramms von der Sächsischen Landes- und Universitätsbibliothek SLUB in Dresden digitalisiert. Seit Ende März ist nun die Preußische Agende online zugänglich im Portal sachsen.digital. Das gedruckte Buch ist nach Groß Särchen zurückgekehrt.

Die obersorbische Preußische Agenda wurde 1899 in Bautzen von Smoler gedruckt. Den Text hatte die Kommission preußischer Geistlicher unter Leitung des Hoyerswerdaer Superintendenten Korla Rudolf Kuring vorbereitet. Zur Kommission gehörten Pfarrer Matej Handrik aus Schleife, Pfarrer Jurij Brósk aus Buchholz und Pfarrer Korla Awgust Šołta aus Partwitz, die Hauptarbeit am Text aber leistete Archidiakon Ján Emanuel Dobrucký aus Hoyerswerda. Das Buch war notwendig, weil im Jahr 1895 in ganz Preußen eine neue Agende eingeführt wurde. Der obersorbische Druck kostete damals 1400 Mark, was heute etwa 11 500 Euro entspricht, und wurde vom Oberkirchenrat in Berlin bezahlt. Die sorbische Auflage war nicht allzu groß, da sie nur in wenigen Kirchgemeinden der preußischen Oberlausitz zwischen Hoyerswerda, Bad Muskau und Gebelzig Verwendung fand.

Wie viele Exemplare des Buches heute noch existieren, ist nicht bekannt. Dank der Digitalisierung ist das Buch jetzt jedoch öffentlich zugänglich. Dr. Petkūnas will den Hinweis auf dieses seltene Buchexemplar in seinem Katalog über preußische Agenden mit aufnehmen.