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17. September: Tagung „Stadt-/Regionalplanung, Minderheitengovernance und sorbische Kultur“

Termin: 17.09.2026 09:00 - 13:00 Uhr

Veranstaltungsort: BTU Cottbus Senftenberg, Campus Cottbus/Chóśebuz, Gebäude LG 3, Platz der Deutschen Einheit 1, 03046 Cottbus


Ausgangspunkt und Tagungsziel

Wie schützt man eine Sprache mit Hilfe eines Bebauungsplans? Und was hat der Strukturwandel der Lausitz mit dem Sorbischen zu tun? Auf den ersten Blick erscheint die Kombination von Regional- und Stadtplanung mit Minderheitenpolitik un­gewöhnlich – fast kurios. Und doch: Die Frage, wie eine Minderheitskultur erhalten und weitergegeben werden kann, hängt eng mit Infrastruktur, Siedlungsentwicklung und Planung zusammen.

Ausgangspunkt der Tagung ist eine Arbeitshypothese: Im deutsch-sorbischen Kontext fehlt eine tragfähige Minderheitengovernance weitgehend. Was in anderen europäischen Kontexten reformiert oder gestärkt werden soll, muss hier zunächst entwickelt werden. Das kann nicht allein mit den klassischen Instrumenten der Minderheitenpolitik (Sprachförderung, Bildung und Kulturfinanzierung) gelingen. Kommunen, die wichtige Infrastruktur bereitstellen, und die Raumplanung sollten stärker berücksichtigt werden. Ihr Potenzial wird bisher kaum genutzt.

Das berührt nicht nur die Minderheitenpolitik. Die Frage, wie nichtmaterielle Kultur – und dazu gehört Sprache – als wissensbasierte Praxis in Planungsprozesse eingebettet werden kann, ist von allgemeiner Bedeutung für die Raumwissenschaften. Wenn wir (Minderheiten-)Kultur als kollektive Wissenspraxis verstehen und Governance als ein Problem des Wissensmanagements, eröffnen sich neue konzeptionelle Wege – auch jenseits des sorbischen Kontexts.

Auf der Tagung begründen und diskutieren wir diese Annahmen. Wir fragen, wie kulturelle Belange nationaler Minderheiten im Planungs- und Umweltrecht verankert sind und besser verankert werden könnten. Wir benennen methodische Herausforderungen einer noch jungen Forschungsrichtung und stellen erste empirische Befunde vor.

Die Tagung richtet sich an Wissenschaftler:innen ebenso wie an Akteure aus Raumplanung, Regionalpolitik und Minderheitenorganisationen.

Anmeldung und Organisation

Bitte melden Sie sich bis zum 3. September per Mail an regmje@serbski-institut.de.

Veranstalter der Tagung ist das Sorbisches Institut, Abteilung Regionalentwicklung und Minderheitenschutz in Kooperation mit der Fakultät Architektur, Bauingenieurwesen und Stadtplanung der BTU Cottbus-Senftenberg.

Leitfragen der Tagung

  • Was ist unter Minderheitengovernance zu verstehen und welche institutionellen Strukturen verlangt sie?
  • Welche Rolle kann oder muss die Raumplanung beim Schutz und der Förderung nationaler Minderheiten übernehmen – und welche institutionellen Voraussetzungen sind hierfür zu schaffen?
  • Wie können kulturelle Belange nationaler Minderheiten im Planungs- und Umweltrecht besser verankert werden, ohne ihre Selbstbestimmungsrechte einzuschränken?
  • Welche Instrumente – darunter die Kulturverträglichkeitsanalyse – können helfen, die Folgen von Planungsentscheidungen für Minderheitenkulturen sichtbar zu machen und ihnen entgegenzuwirken?
  • Wie kann Sprachpolitik als eigenständiger Belang in der kommunalen und regionalen Planung verankert werden – und welche Rolle kommt dabei den Kommunen als zentralen, aber bislang systematisch unteraktivierten Governance-Akteuren zu?
  • Welche konzeptionellen und methodischen Fragen bleiben offen – und welche Forschungsperspektiven eröffnet die Verbindung von Raumplanung und Minderheitengovernance?

Ablauf 

Ankommen (9:00–9:30 Uhr)

Grundlagen (9:30–10:20 Uhr)

  • Lutz Laschewski: Regionalplanung und Minderheitengovernance – Zur Herleitung der Fragestellung
  • Ludger Gailing, Professor für Regionalplanung (BTU): Governance-Formen, Institutionen und Anerkennungsgerechtigkeit als konzeptioneller Rahmen

Pause (10:20–10:30 Uhr)

Recht und Instrumente (10:30–11:20 Uhr)

  • Bernhard Weyrauch, Dekan der Fakultät und Fachgebietsleiter Bau- und Planungsrecht (BTU): Kulturelle Belange nationaler Minderheiten im Umwelt- und Planungsrecht – Rechtliche Grundlagen, Instrumente und Entwicklungsperspektiven
  • Jenny Hagemann: Kulturverträglichkeitsanalyse – Ansatz und erste Erfahrungen

Pause (11:20–11:30 Uhr)

Wissen und Nichtwissen in der Planung (11:30–13:00 Uhr)

  • Anne-Kathrin Rensch: Die Thematisierung von Sorben/Wenden in touristischen Entwicklungskonzepten der Lausitz – eine Bestandsaufnahme
  • Měto Nowak: Sorbische Sprache(npolitik) in kommunalen Entwicklungskonzepten
  • Richard Pantzier, wiss. Mitarbeiter Regionalplanung (BTU): Erzählkaffee zum Blaudruck