23. Juni: Vortrag „Institutionen, Identität und Teilhabe: Was kulturelle Sicherheit in der Bretagne stärkt“

Termin: 23.06.2026 14:00 Uhr

Veranstaltungsort: Sorbisches Institut Bautzen, Bahnhofstraße 6, 02625 Bautzen/Budyšin


Referent: Jean-Rémi Carbonneau, Université de Montréal

Angesichts von etlichen widrigen Umständen haben Sprecher und Sprecherinnen von Minderheitensprachen seit den 1970er Jahren eine Reihe von Revitalisierungsstrategien entwickelt, um den starken Sprachwechsel, der in allen Teilen Frankreichs seit den 1950ern herrscht, entgegenzuwirken und die langfristige kulturelle Sicherheit ihrer jeweiligen Sprachgemeinschaften zu gewährleisten. Im Vortrag werden die Determinanten kultureller Sicherheit in der Bretagne untersucht, wo die bretonische Sprache sowohl Trägerin einer historisch konstituierten territorialen Identität ist als auch einem regionalen Wunsch zum Fortbestand entspricht.

Basierend auf den Schriften des kanadischen Soziologen Raymond Breton konzentriert sich der Vortrag auf das Zusammenspiel von drei Dimensionen kultureller Sicherheit, die die Resilienz der bretonischen Identität und Sprache heute erklären: Institutionen, kollektive Identifikation und Partizipation. Genauer wird analysiert, wie im Kontext eines stark zentralisierten Staates das positive Gefühl kollektiver Zugehörigkeit und das partizipative Engagement zur Etablierung eines Unterrichtsnetzwerks bzw. einer Sprachplanung von unten geführt haben.

Über den Referenten

Jean-Rémi Carbonneau ist Professor am Institut für Weltliteratur und -sprachen der Universität Montréal. Er promovierte 2020 in Politikwissenschaft an der Université du Québec à Montréal. Er war in den Jahren von 2017 bis 2024 als Wissenschaftler am Sorbischen Institut tätig und hielt Seminare an der Freien Universität Berlin und an der Privatuniversität Bard College Berlin zu den Themen Föderalismus, Nationalismus und Minderheiten in Kanada sowie zur vergleichenden Politikwissenschaft. Im Rahmen seiner Forschung beschäftigt er sich mit Sprachpolitik und Sprachregimen, Nationalismus, Konfliktbeziehungen zwischen sprachlichen Mehrheiten und Minderheiten sowie zwischen Sprachen und Territorien und mit den Bedingungen für die Wiederbelebung von Minderheitensprachen und sprachliche Gerechtigkeit.

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