Globale Religion – lokale Moderne. Mission, Vergesellschaftung und Nationsbildung in der sorbischen Lausitz

Religion und Konfession als prägende Faktoren der sorbischen Geschichte in der nationalen Sattelzeit sind in der Forschung bislang nur randständig berücksichtigt worden. Das Vorhaben untersucht daher die global ausgerichtete Missionsbewegung als einen zentralen Zugang, um religiöse Dynamiken, soziale Praxis und nationale Deutungen in ihren Wechselwirkungen sichtbar zu machen. Die Missionsbewegung verband die Lausitz mit internationalen Kommunikations- und Austauschzusammenhängen, eröffnete individuellen Akteuren neue Erfahrungs- und Mobilitätsräume (über 80 Sorben traten selbst in den Missionsdienst ein) und wirkte nachhaltig in die regionale Öffentlichkeit hinein (Vereinswesen, Pressewesen, Festkultur usw.). Auf dieser Grundlage lässt sich exemplarisch zeigen, dass globale Bezugnahmen und Vernetzungen nicht selten mit Prozessen der nationalen Abgrenzung und Selbstverortung einhergingen. Das Projekt leistet damit einen Beitrag zur Erforschung der sorbischen Geschichte in der nationalen Sattelzeit und verortet sie stärker in transregionalen und globalen Bezügen.


Projektbeteiligte: Lubina Mahling